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Trierer Uni-Sporthalle – Viel Platz, aber nicht für Vereine

Suche nach Trainingsmöglichkeiten : Trierer Uni-Sporthalle – Viel Platz, aber nicht für Vereine

Die Sporthalle der Universität bietet beste Wettkampfbedingungen – steht an Wochenenden aber meistens leer. Gleichzeitig sind die Trierer Vereine auf der dringenden Suche nach Möglichkeiten für ihren Spiel- und Turnierbetrieb. Wie kann das sein?

An der Trierer Uni-Sporthalle ist Frühjahrsputz: Die Wände werden von Staub und Dreck befreit, die Sanitäranlagen gründlich gereinigt. Was kaputt ist, wird – so möglich – repariert oder ersetzt. Schließlich beginnt am Montag, 8. April, die Vorlesungszeit des Sommersemesters – und damit der Hochschulsport. Wochentags finden in der Halle dann von morgens bis abends nahezu durchgehend Kurse für die Studis statt – vom Tanzen über Yoga bis zum Fußball. An den Wochenenden steht die große Dreifeldhalle dagegen, bis auf Ausnahmen, leer.

Dabei ist die Sportanlage im Vergleich zu all den maroden Schul- und Vereinshallen Triers diejenige, die am besten ausgestattet und in Schuss ist. Während der Renovierungsstau der städtischen Hallen bei etlichen Millionen Euro liegt, wird in die Hochschulsport-Liegenschaft, zu der auch Tennis- und Basketballplätze zählen, gehörig Geld gesteckt. Jährlich gut 800 000 Euro – 300 000 Euro davon für Personal- und Sachkosten und rund 500 000 Euro für Erhalt, Unterhalt und Nebenkosten der kompletten Anlagen. Das geht aus einer beispielhaften Erhebung für das Jahr 2016 hervor, die der Landesrechnungshof aufgestellt hat.

Auf der einen Seite gibt es in Trier also eine moderne Dreifeldhalle inklusive Tribüne für 500 Zuschauer in Top-Zustand, in die Hunderttausende Euro Steuergeld pro Jahr fließen, die aber an zwei von sieben Tagen pro Woche nicht genutzt wird. Auf der anderen Seite gibt es die Trierer Vereine, die – angesichts der geplatzten Finanzierung des Neubaus der Wolfsberghalle (der TV berichtete) – nicht wissen, wo sie künftig ihre Turnier- und Ligaspiele an Wochenenden austragen können.

Mit Universität, Stadt und zuständigem Landesministerium ein Abkommen zu finden, die samstags und sonntags leerstehende Halle zu bespielen, ist bislang nicht gelungen. „Versuche dazu gab es, seit die Halle 1982 gebaut wurde, immer wieder“, sagt Jürgen Pfannkuchen, zweiter Vorsitzender des Trimmelter Sportvereins. Der Trimmelter SV nutzt für zwei Kurse die Uni-Sportanlage: montagnachmittags für eine Stunde Kinderturnen auf einem der drei Hallenfelder, freitagmorgens für Funktionsgymnastik im Foyer. Der Sportverein zahlt dafür Miete an die Universität. Weil nur kleinere Flächen genutzt werden und die Uni-Halle in diesen Zeiten ohnehin in Betrieb ist, halte sich der Betrag im Rahmen, sagt Pfannkuchen.

Wer am Wochenende in die Halle will, muss tiefer in die Tasche greifen: Die Dolphins, Trierer Bundesligisten im Rollstuhlbasketball, halten derzeit ihre Ligaspiele in der Uni-Halle ab. Gezwungenermaßen. Die mittlerweile abgerissene Mäusheckerhalle stand wegen Baumängeln seit 2014 nicht mehr zur Verfügung, und seit einigen Jahren dürfen sich wegen Brandschutzmängeln in der Wolfsberghalle nur noch 200 Menschen gleichzeitig befinden. Für gut besuchte Ligaspiele der Rollis, wie am heutigen Samstag das Halbfinalspiel gegen die Thuringia Bulls aus dem thüringischen Elxleben um die Deutsche Meisterschaft, reicht das nicht aus.

„Zwischen 1000 und 1100 Euro berechnet die Uni uns pro Ligaspieltag, inklusive Reinigungs- und Hausmeisterkosten“, erklärt Dolphins-Sprecher Ottmar Passiwan auf TV-Nachfrage. Insgesamt gebe es über die Saison zwölf Heimspiele in der Uni-Halle. „Die Nutzungsgebühr übernimmt allerdings die Trierer Stadtverwaltung für uns“, sagt Passiwan. Selbst könnten sich die Dolphins die Pacht, die die Universität für die Nutzung ihrer Halle aufrufe, auch gar nicht leisten.

Dass Stadt, Land und Universität bislang keine Möglichkeit gefunden hätten, wie die Uni-Halle Vereinen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden könne, „verwundert durchaus“, formuliert Passiwan.

Markus Nöhl, Pressesprecher des für die Finanzierung der Universität zuständigen Mainzer Wissenschaftsministeriums, erklärt dazu auf  TV-Anfrage: „Die Universität verwaltet die Sporthalle in Eigenverantwortung.“ In Gespräche mit Vereinen über Nutzungsmöglichkeiten sei das Ministerium bislang nicht eingebunden gewesen, erklärt Nöhl, der für die SPD auch im Trierer Stadtrat sitzt.

Die Uni sei bei der Vermietung der Halle an rechtliche Vorgaben gebunden, erklärt wiederum Peter Kuntz, Pressesprecher der Universität. Das europäische Beihilferecht und auch das Haushaltsrecht lasse nicht zu, dass die Uni die Halle Gästen kostenfrei zur Verfügung stelle. Tatsächlich weist der Landesrechnungshof in seinem Prüfbericht der Uni-Finanzen eindeutig darauf hin, dass die Hochschulen die Kosten für ihre Sportanlage auf fremde Nutzer umlegen müssten. „Die Zahlungen durch den Mieter sind erforderlich, damit die Universität die ihr entstehenden Betriebskosten – Personal-, Sachkosten und nicht zuletzt der Bauunterhalt – decken kann“, betont Kuntz.