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Trierer Universität bereits mitten im Semester. Die „digitale Lehre“ ist dabei nicht nur eine Herausforderung für Leitung und Dozenten, sondern auch für die Studierenden.

Kostenpflichtiger Inhalt: BIldung : Ein Campus zieht ins Internet

Während die Schulen im Land langsam wieder öffnen, steckt die Trierer Universität bereits mitten im Semester. Die „digitale Lehre“ ist dabei nicht nur eine Herausforderung für Leitung und Dozenten, sondern auch für die Studierenden.

Morgens, 8.30 Uhr an der Universität Trier. Über 400 Studierende haben sich im Audimax, dem größten Vorlesungssaal, eingefunden. Über allem liegt ein Teppich aus nicht mehr zu unterscheidendem Murmeln, während sich einige Nachzügler auf die letzten freien Plätze in der Mitte der Stuhlreihen drücken. Man erzählt sich von seinem Wochenende, verabredet sich zu einem gemeinsamen Essen in der Mensa, für eine Lerngruppe oder eine Fachschaftsparty.

So sähe der Start in den Tag in einem normalen Semester aus. Aber normal ist in diesem Semester wenig. Der Campus und die Hörsäle sind menschenleer, nur wenige Mitarbeiter haben überhaupt noch Zutritt zu den einzelnen Gebäuden. Die Bibliothek verleiht Bücher ausschließlich auf Bestellung. Und doch ist der Lehrbetrieb seit dem 20. April wieder in vollem Gange – vollkommen kontaktfrei über das Internet.

Für die Universitätsleitung war die Herausforderung groß. In wenigen Wochen musste ein Digitalisierungssprung gelingen, wie er sonst wohl noch viele Jahre gedauert hätte (der TV berichtete). Doch auch die Studierenden stellt das „digitale Semester“ vor große Herausforderungen.

Pia Cimander ist in ihr zweites Semester gestartet. Statt an der Uni lernt sie jetzt alleine in ihrer WG, die sie sich mit drei Mitbewohnern teilt. Ihre Veranstaltungen zeichnen die Dozenten teils im Vorfeld auf, teils finden sie in Echtzeit in einer Videokonferenz statt. Weniger zu tun habe sie durch die neue Lernform nicht, sagt Pia. „Man muss sich jetzt vieles selbst erarbeiten und noch viel mehr Texte lesen als vorher.“ Deshalb sitze sie von Montag bis Sonntag am Schreibtisch. Sehr viel anderes könne man ja ohnehin nicht machen. Für ihre Dozenten hat sie viel Lob übrig: „Die haben sich super viel Mühe gegeben“, sagt sie.

Und doch entstehen Probleme. Da auch alle ihre Mitbewohner studieren, funktioniert das Lernen noch gut. „Dann ist jeder in seinem Zimmer, dann sind die Türen zu und das wird auch respektiert.“ Spannend werde es aber, wenn es ans Lernen für die Klausuren gehe. „Ich persönlich wäre dann doch gerne in der Bibliothek.“ Auch das gemeinsame Lernen wird jetzt schwierig. In der digitalen Lehre gibt es keine Möglichkeit, Menschen kennenzulernen und Lerngruppen zu bilden.

Dazu kommt, dass auch Studenten nicht von der Wirtschaftskrise verschont werden, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Pias Nebenjob-Arbeitgeber musste ihre Stunden und damit auch ihr Gehalt kürzen. Zum Glück werde sie noch von ihren Eltern unterstützt, „aber auf lange Sicht macht man sich dann doch ein bisschen Sorgen“, sagt sie.

Bei vielen Problemen, mit denen sich nun alle Studierenden konfrontiert sehen, gibt es aber auch solche, die die Krise besonders getroffen hat, berichtet Luca Wagner. Er ist Hauptreferent für Hochschulpolitik im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und war für die Studierendenschaft in die Planung des digitalen Semesters involviert. Manchen Studierenden fehlten die technischen Voraussetzungen, um an den Internetveranstaltungen teilnehmen zu können. Es sei nicht selbstverständlich, dass jeder Studierende einen Computer habe, sagt Wagner.

„Normalerweise standen die PC-Pools in der Bibliothek zur Verfügung. Das ist jetzt mit einem Schlag weg. Da wäre es natürlich schön, eine Möglichkeit zu finden, wie Software und Hardware zur Verfügung gestellt werden können.“ Doch dafür bräuchte es eine zentrale Finanzierung durch das Land.

Und selbst mit Computer können Studierende in den zahlreichen Wohnheimen in Uni-Nähe ein Problem bekommen: Dort ist das Internetvolumen begrenzt. Zwar wurde es wegen der Corona-Pandemie von 50 auf 100 Gigabyte im Monat angehoben. Doch wer seinen Vorlesungen online folgen und sich via Videotelefonat mit Freunden und Familie treffen möchte, hat das schnell erreicht. Es ist eine neue Situation, die vieles erschwert und wie so oft diejenigen am härtesten trifft, die ohnehin unter den schwierigsten Bedingungen studieren müssen.

Mit der Arbeit der Unileitung ist Luca Wagner zufrieden: „Letzte Woche hatten wir einen ganzen Stapel von Themen, die momentan noch nicht so gut laufen, aber die wurden dann auch zu unserer Zufriedenstellung behandelt. Das läuft wirklich sehr gut.“ Dabei gehe es zum Beispiel um die Aufzeichnung von Seminaren, damit Studierende mit Kind nicht auf einen bestimmten Zeitraum angewiesen sind.

Wagner kann der neuen Situation Gutes abgewinnen: In kurzer Zeit wurden neue Möglichkeiten geschaffen. Aufgaben können nun nach eigenemn Zeitplan bearbeitet werden, viele Veranstaltungen sind jederzeit abrufbar. „Das sind alles Sachen, die danach hoffentlich bleiben“, wünscht er sich. „Dass das Lernen unabhängig von Zeit und Ort wird – das wäre ganz cool.“