Trierer wegen Raubüberfällen und Einbruchs zu sechs Jahren Haft verurteilt - Rechtsanwalt kündigt Revision an

Trier · Otmar Schaffarczyk erhebt harte Vorwürfe gegen die Trierer Staatsanwaltschaft. Bei seinem Schlussplädoyer im Prozess um Verbrechen im Trierer Schrotthandelmilieu warf der Rechtsanwalt der Anklage vor, einen V-Mann der Polizei zu decken.

Trier. Sechs Jahre Gefängnis. Als das Urteil fällt, vergräbt der Angeklagte sein Gesicht in den Händen. Das Blut steigt ihm in den Kopf. Er reibt sich die Augen.
Drei brutale Raubüberfälle und einen schweren Einbruch hatte Staatsanwalt Benjamin Gehlen in seinem Plädoyer dem Angeklagten R. vorgeworfen. Gestanden hatte R. während der rund zehnmonatigen Verhandlungszeit nur zwei der Überfälle: Einen im September 2009 auf eine Triererin, einen im Februar 2010 auf eine Frau in Thomm (VG Ruwer). Beide Male hatte er die Überfälle geplant und seinen Mittäter H. zu den Wohnhäusern der Familien gefahren. Während H. die Frauen brutal zusammenschlug, wartete R. im Auto. H. war für die Überfälle zu sieben Jahren Haft verurteilt worden (der TV berichtete).
Einen Einbruch in Trier und einen Raubüberfall auf einen Mann in Aach (VG Trier-Land), die die Staatsanwaltschaft R. außerdem vorwirft, hatte dieser seit Prozessbeginn vehement bestritten.
Staatsanwalt Gehlen stützte am Donnerstag sein Plädoyer vorrangig auf den Hauptbelastungszeugen M. Dieser - Schrotthändler und selbst vorbestraft - leitet offenbar der Polizei immer wieder Hinweise aus dem Trierer Milieu weiter. Darunter, dass der Angeklagte R. ihm erzählt habe, etliche Raubüberfälle und den Einbruch begangen zu haben.Gegenseitige Beschuldigungen


Der Angeklagte R. behauptete wiederum, V-Mann M. habe bei den Taten selbst die Finger im Spiel gehabt und wolle durch die falschen Anschuldigungen von seiner eigenen Schuld ablenken. Tatsächlich hatten auch die beiden überfallenen Frauen lange vor R.s Verhaftung bei der Polizei die Vermutung geäußert, dass der zu ihrem Bekanntenkreis gehörende M. etwas mit den Überfällen auf sie zu tun haben könnte.
Ermittlungen gegen M. hatte die Staatsanwaltschaft allerdings nicht aufgenommen. "Für uns bleiben daher viele Fragen offen, bei denen wir uns Klärung durch den Prozess erhofft hatten", sagte Sylvia Karrenbauer, Anwältin der überfallenen Triererin und Nebenklägerin, am Donnerstag.
Teile des Schmucks aus dem Einbruch waren bei der Ehefrau des Belastungszeugen M. sichergestellt worden. M. behauptet, R. habe ihm die Hehlerware zum Weiterverkauf überlassen. Dass M. im Besitz der Beute gewesen sei, weise mitnichten nicht auf eine Mitschuld M.s am Einbruch hin, betonte Staatsanwalt Gehlen in seinem Plädoyer. Im Gegenteil: "Hätte M. selbst etwas mit dem Einbruch zu tun gehabt, hätte er den Angeklagten sicher nicht deswegen bei der Polizei verraten - die Gefahr, selbst in den Fokus der Ermittlungen zu geraten, wäre viel zu groß gewesen."
"Das kann man nur glauben, wenn man den Zeugen M. decken will", ging Otmar Schaffarczyk, Verteidiger des Angeklagten, in seinem Plädoyer die Staatsanwaltschaft hart an. "Außer M.s Aussage haben Sie keine Beweise, dass mein Mandant den Einbruch begangen hat, keine Spuren, keine Fingerabdrücke, keine DNA, nichts.""Keine Beweise"


Auch für den Überfall auf den Mann in Aach gebe es keine Beweise. "Man hat den Eindruck, dass die Staatsanwaltschaft die Verfahrensakte an meinen Mandanten anpasst, damit sie die Anklage aufrechterhalten kann", sagte Schaffarczyk.
Bei der Urteilsbegründung machte Richterin Petra Schmitz deutlich: "Wir beschäftigen uns in diesem Prozess mit der Schuld des Angeklagten - die mögliche Schuld irgendwelcher Strippenzieher ist irrelevant." Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen M. gebe es nicht, betonte Schmitz. "Schließlich waren M.s Behauptungen bei den beiden Raubüberfällen, die R. gestanden hat, auch wahr."
Vom Raubüberfall auf den Mann in Aach sprach das Gericht den Angeklagten trotz der belastenden Aussage von M. frei. "Nicht, weil wir am Zeugen M. zweifeln, sondern weil wir nicht ausschließen können, dass sich R. gegenüber M. mit der Tat nur gebrüstet hat, tatsächlich aber jemand anderes den Überfall begangen haben könnte", sagte Schmitz.
Für den Einbruch und die Raubüberfälle auf die beiden Frauen verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Verteidiger Schaffarczyk kündigte an, in Revision zu gehen.