Trierer will „Der klügste Deutsche“ werden

Trierer will „Der klügste Deutsche“ werden

In der ARD-Sendung „Der klügste Deutsche“ kämpfen am kommenden Samstag acht Personen im Finale um Titel und Preisgeld. Einer von ihnen kommt aus Trier: Der 37-jährige Hartwig Johannsen hat keinen Doktortitel und keinen Uni-Abschluss – und setzt sich mit seinem Wissen doch gegen so manchen Akademiker durch.

Der Grat zwischen Bescheidenheit und Koketterie ist schmal, sehr schmal. Denn wann immer jemand etwas besonders gut kann und man diese Person darauf anspricht, so wird doch von ihr erwartet, dass sie sich in Zurückhaltung übt. Fällt ebendiese Bescheidenheit aber zu groß aus, so mag man dahinter vielleicht einen Ansatz von Koketterie vermuten - von sympathischer Koketterie, wohlgemerkt.

Hartwig Johannsen ist jemand, der seinen Mitmenschen gerne Rätsel wie diese aufgibt. In der ARD-Sendung "Der klügste Deutsche" hat es der 37-jährige Trierer nun ins Finale geschafft. Etwa 3000 Personen hatten sich bei dem Sender beworben, in zwei Runden wurden fast alle von ihnen wieder aussortiert. Johannsen aber kam bis ins Halbfinale, das am vergangenen Samstag im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Und er wusste gar so viel und vermochte so klug zu kombinieren, dass er es per Publikumsvotum in die Finalsendung schaffte. Darin werden sich am kommenden Samstag die besten acht Bewerber um den Titel "Der klügste Deutsche" streiten - und um das Preisgeld von 100 000 Euro, das der Sieger mit nach Hause nehmen darf.

Hartwig Johannsen sitzt bei einem Glas Orangensaft in einem Trierer Café. "Also eigentlich bin ich ziemlich vergesslich", sagt er und grinst. Ist das nun Bescheidenheit oder kokettiert der sympathische Trierer da bereits mit seinem umfangreichen Wissen? Es gebe eben Themen wie Politik und Geschichte, da könne er sich Fakten sehr gut merken, sagt er. Für alles andere, etwa Details aus dem privaten Umfeld, da sei dann doch eher seine Freundin zuständig.

Wer ist dieser Mensch, der in einer Quizrunde alle 18 Fragen richtig beantwortet und sich dann Vergesslichkeit attestiert? Wenn man ihn darum bittet, sich zu beschreiben, überlegt er lange. Und will sich auf keine Formulierung so recht einlassen. In einem Einspielfilm, den die ARD mit Johannsen in Trier produziert hat, wird er als "Lebenskünstler" vorgestellt. Er hat gegen diesen Begriff nichts einzuwenden, wenngleich er hinzufügt, dass es nie sein Plan gewesen sei, so zu leben, wie er es nun tut. Der gebürtige Niedersachse kam Mitte der 90er Jahre nach Trier, um Jura zu studieren. Er wollte Rechtsanwalt werden, sah sich bereits im Gerichtssaal stehen. Doch es kam anders, nach ein paar Jahren gab er das Studium auf. Es folgten Gelegenheitsjobs als Kellner, Umzugshelfer und Callcenter-Mitarbeiter. Es gibt Menschen, die an so etwas verzweifeln. Johannsen nicht. "Klugheit ist nicht Wissen allein. Es geht auch um Lebensklugheit", sagt er.

Seine Lebensklugheit brachte ihn schließlich auch zu seiner derzeitigen Tätigkeit: Seit drei Jahren arbeitet er als Puppenspieler. Der bekannte Puppenspieler Helmut Rach holte ihn damals als zweiten Akteur in die Gruppe "Zwirnzupfer". Nun tritt Johannsen vor Kindergarten- und Grundschulkindern auf. "Es ist schön zu sehen, wie die Kinder sich dann freuen", sagt er. Aber er könne sich auch vorstellen, irgendwann mal wieder etwas anderes zu machen. "Viele Menschen definieren sich sehr stark über ihren Job und ihren Beruflichen Status. Ich mache das weniger", sagt er. Stattdessen organisiert er sogenannte "Typisierungsaktionen" an der Universität, bei denen sich Menschen als Knochenmarkspender registrieren lassen können, um Leukämiekranken zu helfen. 2007 konnte er mit einer Spende einer damals 12-jährigen Dänin helfen, wieder gesund zu werden. Wer ihm nun dabei zuhört, versteht: Mit Koketterie hat das, was er erzählt, nun wirklich nichts zu tun. Mit echter Bescheidenheit dafür umso mehr.

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