Trierer wütend über Knöllchen-Politik

Trierer wütend über Knöllchen-Politik

In Trier-Süd kochen Anwohner nicht nur in der Hitze, sondern auch vor Wut. Das Knöllchen-System der Stadt sei reine Abzocke. Die Verwaltung weist den Vorwurf zurück und kündigt bei der Gelegenheit an, dass heute Abend während des Pokalspiels der Eintracht gegen den 1. FC Köln intensiv kontrolliert wird.

Trier. In der Weidegasse in Trier-Süd sind Knöllchen keine Ausnahme, sondern die Regel, sagen die Anwohner. "Man kann hier monatliche Kosten pro Auto von 50 bis 100 Euro ansetzen, die einem Privathaushalt durch diese Politik entstehen", erklärt Daniel Brandscheid, der in der Weidegasse wohnt. Er wirft der Stadt vor, die Unterversorgung mit legalen Parkplätzen auszunutzen, um Knöllchen an die dort lebenden Familien zu verteilen. Mehrere seiner Nachbarn in der Weidegasse teilen diesen Vorwurf im Gespräch mit dem TV.
Um ein Knöllchen zu bekommen, muss man zuerst falsch parken. Das tun sie, räumen Brandscheid und seine Nachbarn ein. Es bleibe ihnen nichts anderes übrig, denn es gebe wesentlich mehr Anwohner als Anwohnerparkplätze.
"Eine Seite der Weidegasse ist für Anwohner freigegeben. Die andere Seite ist seit der Neubebauung des Herz-Jesu-Gartens nicht mehr als Parkfläche ausgeschrieben." Die Folge: Vom Feierabendzeitraum zwischen 17 und 19 Uhr bis zum Start in den Arbeitstag am nächsten Morgen parken dort viele Anwohner illegal. Und genau zu diesen Zeiten rücken die Kontrolleure an. "Bevorzugt wird morgens zwischen sieben und acht Uhr kontrolliert, also genau dann, wenn die meisten Menschen im Bad stehen oder ihre Kinder für die Schule fertig machen", erläutert Brandscheid. Auch zwischen Freitag und Sonntag nach 21 Uhr kommen die Politessen, das bestätigen die Anwohner. "Trotz vieler Beschwerden, Anrufe und Diskussionen der Anwohner mit den Politessen ändert das Straßenverkehrsamt die Situation nicht."
Die Stadt nimmt Stellung. "Durch die Neubauten mag es zu einer Steigerung der Bewohnerzahlen in der Weidegasse gekommen sein, für die im unmittelbaren Umfeld nicht ausreichend Parkraum auf öffentlichen Flächen zur Verfügung steht", räumt Ralf Frühauf vom Presseamt ein. "Allerdings reichen die Parkmöglichkeiten der Bewohner hier von der Eberhard-, Gilbert- über die Nikolaus- bis hin zur Friedrich-Wilhelm-Straße."
Den Vorwurf der Abzocke weist Frühauf zurück. "Der Einsatz des Verkehrsüberwachungsdienstes beginnt in der Regel um 7 Uhr. Da die Parkraumbewirtschaftung erst ab 8.30 Uhr gilt, kontrollieren die Mitarbeiter vorher intensiv Schulwege, Halteverbote und insbesondere Bewohnerparkbereiche." Denn gerade dort gebe es immer wieder Beschwerden, dass von den Abend- bis zu den Morgenstunden nicht genügend Parkplätze zur Verfügung stehen und Bewohnerparkplätze von Nichtberechtigten belegt sind.
Szenenwechsel nach Trier-Nord: Heute empfängt Eintracht Trier den 1. FC Köln im DFB-Pokal, das Moselstadion ist voll. Wer mit dem Auto kommen will, wird sich für die klare Ankündigung des Presseamts interessieren: "Parken auf dem Geh- oder Radweg entlang der Zurmaiener Straße wird nicht geduldet", so Ralf Frühauf. Es gebe keine Ausnahmeregelung für die Eintracht. Die Verwaltung kündigt eine "intensive Überwachung" an.
In Kooperation mit den Stadtwerken bietet Eintracht Trier einen kostenlosen Bus-Shuttle an. Mehr dazu im Sport auf Seite 17.
Meinung

Es gibt keine Ausnahmen
Der Frust in Trier-Süd ist verständlich, doch ändern wird er nichts. Die Straßenverkehrsordnung und der Verkehrsüberwachungsdienst interessieren sich nicht für die Motivation eines Falschparkers. Stellt er sich aus purer Arroganz überall hin, wo er will? Kennt er die Verkehrsregeln nicht? Oder kann er gar nichts anders, weil er in zumutbarer Nähe keinen legalen Parkplatz findet? Wer falsch parkt, geht das Risiko ein, erwischt zu werden - unabhängig davon, warum er falsch parkt. Moralisch oder logisch begründete Ausnahmen gibt es nicht. Die Politessen kontrollieren natürlich dort, wo sie auf der Basis ihrer Erfahrungswerte viele Falschparker vermuten. Das ist keine Abzocke, sondern normale Parkraumkontrolle. In Trier-Süd trifft diese zwar die gestressten Anwohner, aber auch die von außerhalb kommenden Parker, die auf den Anwohnerplätzen nichts verloren haben und mit ihrer Rücksichtslosigkeit die Parkplatznot verstärken. j.pistorius@volksfreund.de

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