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Triererinnen dokumentieren und bewahren Geschichte der Frauenbewegung in der Region

Trier. Um Geschichte mitzuschreiben und zu bewahren, haben sieben Frauen den Verein "Trierer Archiv für Geschlechterforschung und Digitale Geschichte" (TAGG) gegründet. Sie sammeln Bilder, Texte und Erzählungen von Zeitgenossinnen. Auch eine schöne Anekdote ist darunter. Nina Altmaier

"Solidarität" war damals das entscheidende Wort. "Das war gar keine Frage!" Liesel Rieker erzählt, wie sich rund 50 Frauen in den 1970er Jahren in einer Trierer Bar zur Frauenkneipe zusammenfanden. "Gästinnen also", sagt sie lachend. Zwei Männer seien stark angetrunken in die Bar gekommen, hätten nach einem Bier verlangt und nicht akzeptieren wollen, dass das Lokal an diesem Tag ein Raum für Frauen war. Sie zogen erst ab, als eine der mutigen "Gästinnen" ihnen Wasser aus einem Schnapsglas übergoss. Und kamen anschließend mit zwei Polizisten zurück, um die Frauen ob des Schnapsglas-Angriffs der Körperverletzung zu bezichtigen.Feminine Schnapsglas-Attacke

Wer das gewesen sei, mit dem Schnapsglas, wollten die Beamten wissen. 50 Frauen meldeten sich, behaupteten: "Ich war das!", und sagten den Polizisten: "Entweder vergessen wir das jetzt, oder sie müssen uns alle mitnehmen." Solidarität eben.

Geschichten wie diese zeigten, dass die Frauen- und Lesbenbewegung sich nicht nur in den großen Metropolen abspielte, sondern auch in Trier, sagen die Gründerinnen des neuen Vereins Trierer Archiv für Geschlechterforschung und Digitale Geschichte (TAGG). Solche Erzählungen sind - zusammen mit einem reichen Schatz an Flugblättern, Briefen, Plakaten und anderen Dokumenten - Teil dessen, was der Verein bewahren möchte.

Entstanden ist die Idee zur Vereinsgründung aus einem Projekt der Universität Trier heraus, das sich mit sozialen Bewegungen auf dem Land befasste. Spätestens bei der Abschlussveranstaltung mit dem Titel "Flog die Tomate auch in der Provinz?" im Februar in der Tufa wurde klar, dass noch viel zu tun bleibt - und die Vereinsgründerinnen beschlossen, sich dieser Aufgabe zu stellen. "Noch liegen all diese interessanten Dokumente in Wäschekörben in den Kellern der Zeitzeuginnen", sagt Tamara Breitbach.

Ziel sei es, den Transfer in die digitale Welt zu schaffen, mit Bild, Text oder auch Oral History (erzählter Geschichte) in Form von Audiodateien der Frauen, die die Bewegung miterlebt haben.

Neben einem Archiv will der Verein längerfristig auch einen öffentlich sichtbaren und zugänglichen Ort schaffen, der Gelegenheit bietet, sich mit der Geschichte der Frauenbewegung in der Region auseinanderzusetzen.

"Als ich einem Professor mein Promotionsvorhaben zur Frauenbewegung vorstellte, hat er eine halbe Stunde lang mit mir über Alice Schwarzer diskutiert", berichtet Tamara Breitbach - mehr sei ihm zu dem Thema nicht eingefallen.

Sie will sich mit ihren Mitstreiterinnen nun dieser etwas anderen Trierer Geschichte widmen, mit der sich bisher nur wenige auskennen, die aber trotzdem erzählt werden soll: "Weil die Frauenbewegung eben nicht nur Alice Schwarzer ist."