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Triererinnen erhalten Anrufe von Betrügern.

Betrugsversuche am Telefon : Fremder Anrufer fragt Frauen nach Sparbuch

Ein Unbekannter hat in den vergangenen Tagen mehrfach Menschen aus der Region angerufen und versucht, Auskünfte über deren Finanzen zu bekommen. Kein Einzelfall, warnt die Polizei. Betrüger nutzen die Corona-Krise.

„Sie haben sicher ein Sparbuch“ – Mit diesen Worten meldet sich der Anrufer, der eine TV-Leserin aus dem Trierer Stadtgebiet in den vergangenen zehn Tagen schon dreimal angerufen hat. Es sei immer dieselbe Männerstimme, die sich melde, berichtet die 71-Jährige. Sie antworte gar nicht und lege sofort auf, sagt sie. „Inzwischen melde ich mich schon gar nicht mehr mit meinem Namen, wenn ich die Nummer nicht kenne.“

Die Dame fürchtet allerdings, dass andere Menschen auf den Anrufer reinfallen könnten. Denn: Sie weiß von mindestens zwei weiteren Menschen in ihrem Umfeld, dass sie ebenfalls solche dubiosen Anrufe erhalten haben – eine weitere 71-Jährige und eine 86-Jährige, die so wie sie im Trierer Stadtgebiet wohnen. „Die waren auch so clever und haben direkt aufgelegt“, berichtet die TV-Leserin, die es wichtig findet, andere vor den Betrügern zu warnen, die mit unterdrückter Nummer anrufen und ihre potenziellen Opfer über Bankdaten ausfragen.

Uwe Konz, Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Trier, ist von dem geschilderten Fall nicht überrascht. Die Polizei habe schon sehr früh nach Beginn der Corona-Krise erste Abwandlungen der Tatvarianten des sogenannten Call-Center-Betrugs festgestellt und intensiv davor gewarnt. Neben dem klassischen Phänomen „Falscher Polizeibeamter“ verwendeten viele Betrüger inzwischen Corona-Hintergründe als Tarnung.

Laut Konz nutzen die Betrüger – insbesondere im Internet – die derzeitige Verunsicherung und Angst der Bevölkerung sowie die vermehrte Home-Office-Tätigkeit aus. Sie versuchten, die Menschen zu Wert- und Bargeldbesitz auszufragen – um Übergaben zu verhandeln, zu dubiosen Geldanlagen zu verleiten, Überweisungen oder Geldübergaben zu initiieren, Tatgelegenheiten auszuspionieren oder Taten bei fingierten Hausbesuchen durchzuführen.

Die Liste an Betrugsvarianten, die die Corona-Krise als Vorwand nutzen, ist lang: „Falsche Ärzte oder Mitarbeiter von Gesundheitsämtern, die Corona-Schnelltests gegen Bargeld anbieten, angebliche Mitarbeiter der nicht existierenden „Bundesdesinfektionsstelle“, die sich zum Desinfizieren von Bargeld anmelden“, zählt Konz auf. Beim „Enkeltrick“ werde derzeit behauptet, aufgrund einer Corona-Erkrankung Geld zu benötigen. Andere Anrufer kündigten angebliche coronabedingte Schließungen von Geldinstituten an, falsche Bank-/Sparkassenmitarbeiter erfragten daher Bank- und Kartendaten. Fake-Shops böten überteuerte Waren zum Schutz vor Corona an, die sie im Zweifelsfall nicht einmal lieferten. Neue Versionen von Ransomware (Erpressungssoftware) würden per E-Mail versandt, Ceo-Fraud – eine Masche, bei der sich Betrüger als Führungskraft eines Unternehmens ausgeben, beispielsweise als Geschäftsführer (CEO) und in gefälschten E-Mails Mitarbeiter dazu auffordern, größere Summen von Unternehmenskonten ins Ausland zu überweisen – werde mit Corona getarnt, falsche Gewinnspielmitteilungen würden vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung verschickt.

Wie viele Menschen konkret von solchen Betrugsversuchen betroffen seien, könne er leider nicht sagen, sagt Konz. Seines Wissens nach sei es aber im Bereich des Polizeipräsidiums Trier noch nicht zu vollendeten Versuchen gekommen. „Die Menschen sind offenbar aufgrund der schon lange währenden und wiederholten Tatbeschreibungen und Warnungen der Polizei sensibilisiert“, sagt Konz.

Sie warnten immer wieder über verschiedene Kanäle vor den unterschiedlichen Betrugsmaschen. Erst am Donnerstag habe Innenminister Roger Lewentz im Zusammenhang mit verstärkt festgestellten Bargeldabhebungen vor eventuellen Betrügereien im Zusammenhang mit dem Coronavirus gewarnt. Auch das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz warnt und gibt Tipps, wie sich Menschen, die dubiose Anrufe erhalten, verhalten sollen (siehe Info).

Demnach haben sich die 71-jährige TV-Leserin aus Trier und ihre Bekannten genau richtig verhalten. Sie haben die erste und wichtigste Verhaltensregel beachtet und sofort aufgelegt. Ebenso wie viele andere Menschen aus der Region. Sie fielen nicht auf die telefonischen Betrugsversuche herein und informierten häufig die Dienststellen der Polizei, berichtet Uwe Konz.