Trierisch balaawern : Babbeln und baddscheln

In einer Zeit, als es noch kein Fernsehen gab, liebten alle Leute sehr eine Sommerabendbeschäftigung, die heute völlig vergessen ist. Das war das Aus-dem-Fenster-Schauen.

Bequem gestützt auf Kissen auf dem Fensterbrett, schaute häufig die ganze Familie stundenlang, was denn auf der Straße los war. Und dabei gab es dann auch Gelegenheit, miteinander oder mit  Vorbeikommenden ausgiebig zu babbeln und zu baddscheln.

Babbeln und baddscheln. Diese beiden originellen Wörter kann man mit dem hochdeutschen Wort plaudern übersetzen. In unserem Zusammenhang ist das recht zutreffend, aber im Gegensatz zum Wort plaudern haben die Mundartwörter babbeln und baddscheln einen viel größeren Umfang, was ihre Bedeutung angeht.

Babbeln heißt nämlich auch der erste Sprechversuch der Kinder, also plappern. Babbeln kann darüber hinaus leeres Schwatzen und ausdauernde Redseligkeit bezeichnen. Das Wort hat also hier die Bedeutung von schwätzen oder quatschen. „Dau babbels aanen noch doll unn dörrmelisch.“ (Sinngemäß: Du quatschst, bis einem die Sinne vergehen!)

Man kann sich auch verbabbeln, das heißt soviel wir verplappern.

Und dann gibt es auch noch den Babbler. Dä Babbler ist keine Person, sondern ein Zustand, in den verfallen kann, wer etwas zuviel getrunken hat und deshalb redselig und weitschweifig wird. „Gissder Aomend haoss de awer ganz schien de Babbler gehatt!“ Lautet schon mal der leichte Vorwurf meiner weitgehend abstinent gebliebenen Ehefrau nach einer ausgedehnten Familienfeier. Hingegen ist der Baddschler – und damit wären wir beim Wort baddscheln  – durchaus eine Person. Und zwar eine ziemlich unangenehme. Der Baddschler ist der Dummschwätzer und was er von sich gibt, ist Gebaddschels. Das Verb baddscheln hat nämlich neben der Bedeutung von plaudern auch die von sinnentleertem Reden.

Jetzt verwechsele mir aber bitte niemand den Baddschler mit dem Bachelor!

                                  Horst Schmitt

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