Trierisch balaawern

Heewen ist kein außergewöhnliches Wort in Trier, über das sich nachdenken ließe, wenn einen nicht gerade der Durst überfällt. Es ist eines der vielen Wörter, die der Trierer für Trinken reserviert hat.

Aanen heewen ist in Trier nichts Besonderes, zumal er zwischen Wein, Viez und Bier genügend Auswahl hat. Nahe angesiedelt ist der Heewer, eine Person, die eine Sache hochhebt, z. B. eine Viezporz oder Baumstämme, bzw. ein Gerät, um Wein aus einem Fass zu bekommen, ohne es anzuschlagen. Jemand, der nicht besonders stark ist - oder sagen wir mal etwas schmächtig daherkommt - ist ein Heewerling. Gerne wird das Wort für einen Jungen, eine halbe Portion gebraucht. Dän Heewerling kanns de nött hollen, fir ett Faaß aonzeheewen. Der hat keine Kraft. Auf den Schwächling oder etwas Kleines weist die Endsilbe "ling" hin. Ein Heewerling findet sich sogar im Tierreich. Früher war der Heewerling im Mai sehr verbreitet und wurde von Kindern in Pappkartons gesammelt und gehalten. Unterteilt nach ihren Rückenschildern, waren die Maikäfer unterschiedlich wertvoll. En Adlerschi war einer mit rotem Schild, vergleichbar einem Adeligen in roten Gewändern. Heute findet man sie nur noch selten in der Natur. Einem Kleinen und Schmächtigen ist es gelungen, bis in die Lebensmittel vorzudringen. Neben dem großen, einem Wagenrad vergleichbaren Käserund, finden sich kleine Handstücke wie Mainzer Käse oder Limburger Käse. Sie firmieren in Trier unter Heewerlings Kies, mit dem der kleine Mann zufrieden sein muss. Nochmals zurück zum schmächtigen Kerlchen, das nicht sofort alle Aufforderungen zum Arbeiten oder zur Bewegung befolgt und keineswegs in die Gänge kommt. Dämm göfft den Heewerling gelöfft. Dem werden Beine gemacht, damit er seinen Hintern hochhebt und nicht unnütz herumsitzt. Josef Marx ist gemeinsam mit Horst Schmitt Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>