trierisch balaawern

"Fehlt der ebbes?" fragt die Frau sorgenvoll den Ehemann beim Frühstück. Denn sein Keimen (Stöhnen) fällt ihr auf und sie schließt richtig: "Dau hass der bestömmt de Fräggerd geholl!" (Du hast dich bestimmt erkältet.

) Richtig, über Nacht haot hän ebbes ao seisch kriet (hat ihn etwas erwischt), ett öss himm emmes (es ist ihm übel), de Naos laaft unn enn haott de Kaoz (die Nase läuft und er hat starken Husten). Kurz: Ett öss himm nött wie alle jonge Mädscher (wörtlich: Es ist ihm nicht wie allen jungen Mädchen, sinngemäß: Es könnte ihm besser gehen) und er krangelt eromm (krangeln = wehklagen). "Anstatt hei ze jaunern, gies de wei bei den Doggder, dä verschreift der ebbes fir enzehollen!" (Anstatt hier zu jammern, gehst du jetzt zum Arzt, der verschreibt dir etwas zum Einnehmen). Der Arzt hat dann dem Patienten schnell geholfen mött Drobben unn ebbes fir ze gorrjeln, (mit Tropfen und etwas zum Gurgeln), und schon am nächsten Tag geht es ihm e klaa bössi bässer (ein klein wenig besser). Fir ganz obb de Ban ze kommen, dauert ett aawer noch ebbes. (Um ganz auf die Beine zu kommen, dauert es aber noch eine Weile.) Denn (und das sollten Sie, lieber Leser, auch ohne Übersetzung verstehen können): Böss mer e Fräggert iewerstaan haott, dauert ett en Woch, giet mer daomödd bei den Doggder, dauert ett siewen Dach. Passend zum Thema hier noch der Wunsch eines kranken Faulenzers: "Härr Doggder, verschreift mer e Bädd, wänn eisch leijen, öss ett gut." (Herr Doktor, verschreiben sie mir ein Bett, wenn ich liege, ist es gut.) Und abschließend eine medizinische Weisheit: Giejen Dommhaad höllfen kaan Drobben (Gegen Dummheit helfen keine Tropfen). Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>

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