Trierisch Balaawern

Eskimos kennen angeblich mehr als zwanzig Wörter für die Farbe des Schnees. Für Dinge, die für Menschen sehr wichtig sind und sie sehr beschäftigen, finden sie eben viele Namen.

Was den Eskimos der Schnee, ist den Trierern die Nahrungsaufnahme, denn massenweise gibt es im Trierischen Wörter für das hochdeutsche Wort essen. Das Trierer Wörterbuch nennt siebzehn: ääßen, acheln, bodden, boddlaggen, frääßen, mammfen, mieweln, mingkeln, muffeln, rönnschlaon, schnauwen, schnawen, spachdeln, verbotzen, verdröggen und verkimmeln. Essen ist offensichtlich eines der zentralen Anliegen des trierischen Denkens und Handelns. Bei der Auswahl dessen, was der Trierer verzehrt, ist er nicht besonders wählerisch, wenn es nur ießisch (essbar) und maulmaoß (mundgerecht zubereitet) ist. Geschätzt sind besonders Speisen der einfachen, aber sättigenden Art. Vier davon, die beliebtesten und bekanntesten, sollen hier genannt sein, nämlich erstens dän Teerdisch, ein Gemisch aus Kartoffelpüree und Sauerkraut. Dazu wird traditionsgemäß gebratene Blutwurst serviert. Zweitens: Schneidbuunen-, Läffeschesbuunen- oder Schnibbelschesbuunenzobb (Suppe aus grünen Schneidbohnen), die wahlweise in Verbindung mit Grombereschniedscher (Kartoffelpuffer), mit Weerschdscher (Wiener Würstchen) oder mit Pannekurren (Pfannkuchen) auf den Tisch kommt, dann drittens dän Döbbelabbes oder Schales, ein im Eisentopf gegartes kuchenartiges Etwas aus geriebenen Kartoffeln mit Speck, Rauchfleisch, Lauch, Schmalz und Zwiebeln und schließlich Meelknäbb (Mehlknödel), die mit ausgelassenem Speck oder Buttersoße übergossen werden. Es soll nach dem Genuss solcher Speisen zu spontanen Gewichtszunahmen gekommen sein. Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>