Trierisch Balaawern

Leis sich zu unterhalten, kann in Trier zu einer ungeahnten Lautstärke führen. Das will verstehen, wer will! Unterhalten sich zwei Trierer zu leis, kann es deftig laut hergehen.

Leis kennzeichnet nicht nur eine Lautstärke, es können auch mehrere Läuse sein. So trennt der Trierer scharf Laus von Leis. Dä Lauserd haott sein Kraom nött ferdisch gemaach. Der Lausbube hat seine Aufgabe nicht zu Ende geführt. Dä Lausjong haott nuren Lausereijen ömm Kaob. Er hat nur Lausbubenstreiche im Hirn. Geht es über einen kleinen Streich hinaus, ist das ein Lauskaob oder ein Lauszibbel. Ein Erwachsener wird zu einem Lauskärel oder sogar zu einem Leiskärel. Kein leiser Kerl ist damit gemeint, sondern einer, der von vielen Läusen befallen wurde. Sogleich verändert sich die Sache zu einem Schimpfwort. Dä Leissaag kanns de nött mött de Föngeren aopaggen oder bei dämm Leiskärel kries de de Krätz. Bei dem Schmutzfink kann man sich eine Krankheit einhandeln. Finger weg! Gehobener geht es beim Leisdäggel zu. Hol de Leisdäggel vomm Kobb! Setze den Hut ab, heißt es, wenn man nach Hause kommt. Darunter können sich nämlich kleine Tierchen wohlfühlen. Soss kries de aan önn de Leiskaul. Wo mögen sich die Läuse sonst aufhalten? Genau im Nacken. Dorthin kann einen der Schlag treffen. Mit all dem hat dä Leisedreder nichts zu tun. Der Duckmäuser tritt leise auf und hat keine Läuse in den Haaren. Ebenso wenig wie Leise Kläs, ein Trierer Original aus Zurlauben. Mit Leis verbinden sich in Trier zwei Lebensweisheiten: Alaudi, schäl Leis ruft man seinem Gegenüber zu, wenn ein Schlag de Leiskaul verfehlte. Wemmer Waaser dröngkt, kriet mer Leis önn de Bauch. Stimmt! Dann hollen mer liewer naoch en Porz Viez. Prost! Josef Marx ist gemeinsam mit Horst Schmitt Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>

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