trierisch balaawern

Wänn de naoch aamaol faudelst, haon eisch de Flämm fir weider mött ze spöllen (Wenn du noch einmal pfuschst, habe ich keine Lust mehr, weiter mitzuspielen). Was hat dieser Satz nun mit Paris, Berlin und Trier zu tun? Das ist so: Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte es in Berlin und Brandenburg, besonders am Hof und bei der Oberschicht, zum feinen Ton, die deutsche Sprache mit französischen Brocken zu bereichern, ähnlich wie es heute bei uns mit dem Englischen geschieht.

Das Französische hatten die Hugenotten mitgebracht, aus Frankreich vertriebene Protestanten, die in Berlin und Umgebung Zuflucht fanden und dort schnell bei Hofe, als Beamte oder Offiziere Fuß fassten. Als dann infolge des Wiener Kongresses 1814/15 Trier mit der gesamten sogenannten Rheinprovinz zu einem Teil Preußens wurde, entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Garnisons- und Verwaltungsstandort. Und so tauchten plötzlich in Trier in großer Zahl preußische Soldaten und Beamte auf, die diesen französisch-deutschen Sprachmix mitbrachten. Da wollten die feinen Trie rer Leute auch nicht nachstehen und begannen fleißig, die Mode mitzumachen. Das fiel ihnen leicht, denn auch schon vorher, besonders als Trier seit 1794 zu Frankreich gehörte und seit 1811 Hauptstadt des Departements Sarre wurde, waren zahlreiche französische Wörter ins Trierische gelangt. Massenhaft sind französische Wörter auf diese Weise ins Trierische eingedrungen und sehr viele davon haben sich bis heute erhalten. Im oben zitierten Ausruf sind gleich zwei davon zu finden nämlich faudeln (pfuschen), vom französischen Wort faux (gesprochen foo), falsch, und Flämm (Unlust, Frustration) von la flemme, die Faulheit. Hier nun einige weitere schöne Beispiele, keinesfalls aber ein komplette Sammlung: baddern (fallen, stürzen) von battre, schlagen, Dääz (Kopf) von tête, Kopf, (Ett giet nött ö sein Dääz = Es will nicht in seinen Kopf), Drallijen (Fenstergitter) von treille, netzartiges Gitter, (Dä Käärel geheert hönner Drallijen = Der Kerl gehört ins Gefängnis), Droddewar (Bürgersteig) von trottoir, Bürgersteig, Mäggo (Zigarette, Kippe) von mégot, Zigarettenstummel, Mörbel (Murmel) von marbre, Marmor, Mossder/Mossderd (Senf) von moutarde, Senf, Pigg (Groll) von piquer, stechen, (De Schäff haott en Pigg obb meisch = Der Chef hat es auf mich abgesehen), Pissblum (Löwenzahn) von pissenlit, wörtlich: piss ins Bett. (Löwenzahn ist ein Mittel der Volksmedizin gegen Bettnässen), plimerant (unwohl) von bleu mourant, sterbendes Blau, eine Modefarbe des Rokoko, (Ett gött mer ganz plimerant = Es wird mir schummrig), Plümmo (Federbett) von plume (Feder), schisslamäng! (verflixt!) zusammengesetzt aus dem deutschen Schiss und dem französischen la main, die Hand. Man ahnt den Grund des Zorns. Tschö (auf Wiedersehen) von adieu, leb wohl, Wällo (Fahrrad) von veló, Fahrrad. Das letzte Beispiel zeigt übrigens, dass französische Wörter auch noch zu späterer Zeit in den Wortschatz aufgenommen wurden, denn zur damaligen Zeit kannten Franzosen und Preußen Fahrräder sicher noch nicht.