Trierisch Balaawern

Das hochdeutsche Fragewort wo ist ja nun wirklich nicht sehr erklärungsbedürftig. Der Duden kommt mit zwei kleinen Beispielsätzen aus.

Viel gibt es dazu eben nicht zu sagen. Für Erläuterung des entsprechenden trierischen Worts, das wu lautet, muss man dagegen weit ausholen und viel Platz einkalkulieren. Zunächst einmal ist wu wie im Hochdeutschen ein Fragewort. Wu öss hei dä Klo? = Wo geht es hier zur Toilette? Wu hass de deisch da suu dräägisch gemaach? = Wo hast du dich denn so verschmutzt? Zweitens setzt der Trierer das wu an die Stelle der im Trierischen ungebräuchlichen Relativpronomen der, die und das beziehungsweise welcher, welche und welches: die Fraa, wu lao kömmt = die Frau, welche dort kommt, dä Bam, wu de Storm ausgeröss haad = der Baum, den der Sturm ausgerissen hatte, datt Bölld, wu dei Gruußpabb drobb öss = das Bild, auf welchem dein Großvater zu sehen ist. Gelegentlich verwendet der Trierer auch die Form dä wu, die wu und datt wu: Öss datt dän Zoch, dä wu nao Konz giet? = Ist dies der Zug nach Konz? Di Zobb, die wu der beställt hatt, öss all. = Die Suppe, die Sie bestellt hatten, ist leider augegangen. Datt Hömmb, datt wu de nei kaaft hass, öss mer ze äng. = Das Hemd, das du gekauft hast, ist mir zu eng. Drittens wird wo statt des zeitlich in die Vergangenheit weisenden als gebraucht. Datt Jaor, wu de Muusel zugefroor gewees waor. = Das Jahr, als die Mosel zugefroren war. Friejer, wu mer naoch obb de Straoßen Fußball spölle konnt. = Früher, als man auf den Straßen noch Fußball spielen konnte. Schließlich eignet sich das Wort auch noch dazu, einen Trierer zum Bellen zu bringen: "Lao hönne göfft ett ebbes fir neist!" "Wu, wu, wu?" Horst Schmitt ist Autor des Trierer Wörterbuchs, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Josef Marx hat er über 10 000 Stichwörter in Hochdeutsch-Trierisch und Trierisch-Hochdeutsch zusammengetragen. Die beiden Autoren erläutern in unserer Kolumne "Trierisch balaawern" Besonderheiten der Trierer Mundart.