TRIERISCH BaLAAwern

Jeder weiß, dass die deutsche Sprache nicht zu den einfachsten auf der Erde zählt. Das lässt sich an einem einfachen Beispiel erläutern.

Deutsch verfügt über drei Artikel: der, die, das, männlich, weiblich, sächlich. Der Mann, die Frau, das Kind. Diese Zuordnungen sind eindeutig. Dem ist nicht immer so. Die Sonne (weiblich), der Mond (männlich) werden bei unseren französischen Nachbarn nicht so mit dem Artikel besetzt. Le soleil (der Sonne), la lune (die Mond). Noch ganz anders agieren die Engländer, the sun und the moon, die nur einen Artikel kennen. Eine gut nachvollziehbare Einteilung findet sich u.a. beim Rind. Das Rind (sächlich) als übergeordneter Begriff. Dann der Stier (männlich), die Kuh (weiblich), erhalten nach ihrem Geschlecht den Artikel. Das Kalb (sächlich). Beim Ochsen wird die Sache diffiziler (männlich). Bei anderen Tierarten geht es nicht immer so exakt zu. Der Hund ist Oberbegriff und männlich. Die Katze ist ebenfalls Oberbegriff und weiblich. Noch verworrener wird es, wie bereits an anderer Stelle beschrieben, wenn eine Sache zwei Artikel besitzt. Dä Baach und die Baach, dä Plaaz und die Plaaz, je nachdem, ob es sich um eine allgemeine (dä Baach) oder bestimmte Sache (die Weewerbaach) handelt. Kehren wir zum Menschen zurück. Dort scheint zunächst alles wohl geordnet. Selbst das Männlein, das Fräulein, das Kindchen sind alle sächlich, wie bei allen Verkleinerungen. Auch im Trierischen. Datt Männschi, datt Freilein, datt Könnschi oder etwas unbetonter ett Männschi, ett Freilein, ett Könndschi. Aber wie so oft, hält der Trierer eine Überraschung bereit. Datt Doris kömmt heit bei ons bei (Die Doris kommt heute zu Besuch.) Dabei wird nicht unterschieden, ob Doris ein Kind, eine junge Frau oder eine mittleren Alters oder gar eine in die Jahre gekommenen Großmutter ist. Alle sind datt Doris oder etwas unbetonter ett Doris. Mithin alle sächlich. Das gilt jedoch nur für die Frauen, nicht für die Männer. Datt Doris haott fir heit zumm Kaffie egelaoden. Dä Pidder kömmt och mött. Ett Doris dut sich fraajen, wämmer kiemen. So gehen wir hin und haben guten Kaffeedurst. Josef Marx ist gemeinsam mit Horst Schmitt Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>