Trierisch balaawern

Önn Trier öss en Naos en Naos, nött mie onn nött winnijer! Mehr als dieser kleine Körperteil, mitten im Gesicht platziert, gibt dieses Wort zunächst nicht her. Betrachtet man ihn genauer, wie er sich in Redewendungen eingeschlichen hat, wundert man sich, wozu de Naos herhalten muss.

Für Gutes, Schlechtes, Neutrales, für Enttäuschungen, Scherzhaftes - und so weiter ... Nun mal der Reihe nach. Beginnen wir mit dem Neutralen. Fragt ein Fremder in Trier nach dem Weg, und es geht gerade aus, sagt der Trierer: Riescht der Naos nao. Da stiet hir graoden vir der Pochda. Im Winter kann er sich dabei en kaal Naos hollen. Es kann auf dem Weg dort hin kalt und frostig werden. So lässt sich nebenbei das Wetter beschreiben. Kommen wir zum Verhalten der Menschen. Will man jemanden überlisten, kann man dem anderen en Naos driejen oder aon der Naos erommfieren. Oder will man ihn verulken, dun eisch him en lang Naos maachen. En gud Naos fir ebbes haonn gilt für Menschen, die eine Situation schnell erfassen und sich entsprechend darauf einstellen können. Ist eine Sache von Vorteil und möchte man sie gerne für sich erstehen, dann stöscht se aanem önn der Naos. Gelingt dabei noch ein gutes Geschäft, kann man sich en golden Naos verdienen. Sollte jemand mit seiner golden Naos prahlen, sollte man Vorsicht walten lassen. Es könnte sein, datt hän aanem ebbes obb de Naos bönnen wöll, also nur daher etwas erzählen möchte. Lobenswert sind die Aussprüche, die sich mit dem Zusammenhalt von Leib und Seele beschäftigen. Mer waoren virgäsdern beim Pit egelaoden. Lao hammer ons schien de Naos beschödd. Wir haben eine Menge - vielleicht auch Alkohol - getrunken. Wenn de Naos fir ett Dröngken herhalten kann, darf sie für das Essen nicht ausgeschlossen werden. Awer mer haonn nött nuren aane gepödscht, mer waoren och gud ze Fuß onner der Naos. Wir haben auch tüchtig gegessen. Laobei haott ett Ännschi de Naos viren gehaott. Sei es ihr onn der Naos gegönnt. Josef Marx ist gemeinsam mit Horst Schmitt Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind ab sofort auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter www.volksfreundshop.de

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