Trierisch Balaawern

Der Opa hat mit der kleinen Enkeltochter obb der Piddersmäss (auf der Peter- und Paul-Messe) ein Lebkuchenherz für die Oma gekauft, und das Kind hat es sich um den Hals gehängt. Das kleine Mädchen muss dann aber mal Pibbi machen, und als es von dieser heimlichen Verrichtung zwischen den Ständen zurückkehrt, sagt es weinend: "Opa, eisch haonn datt Härz fir de Uuma naaß gemach!" Darauf der Opa: "Datt öss nött esu schlömm, de Uma zobbt suwiesu.

" Diese Begebenheit muss sich vor vielen Jahren zugetragen haben, denn heute zobben Omas nicht mehr. Früher hatten alte Menschen häufig nur noch wenige Zähne und auch keinen rechten Zahnersatz, so dass sie obb de Fälljen (auf den Felgen) oder obb de Böllerscher (auf den Kieferknochen) knawen (kauen) mussten, und das Zobben beschreibt das Eintauchen von hart gewordenem Gebäck in Flüssigkeiten, damit es weich wird. Das Wort zobben kann man hier also mit eintauchen oder eintunken übersetzen. Wenn heute beim Essen gezobbt wird, dann bedeutet das etwas anderes, nämlich das Aufnehmen von Bratensoße mit einem Brotstück oder mit zerdrückten Kartoffeln. Zobben kann man aber nicht nur Soße und hart gewordenes Brot, sondern auch Menschen. Nämlich im Freibad. Da bedeutet es, jemandem scherzhaft den Kopf unter das Wasser zu drücken. Schließlich hat das Wort auch noch die Bedeutung von zupfen: aom Armen zobben (am Ärmel zupfen), Onnkraud zobben (jäten). Wenn es im Trierischen auch so klingt, hat die Zobb (die Suppe) nichts mit dem Wort zobben zu tun, genau so wenig wie der Zopf, der auch Zobb heißt. Man kann sich aber vorstellen, dass e Luusi oder e Schauden (ein Schalk) em Fraamännsch (einem Mädchen) den Zobb önn de Zobb zobbt. Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind ab sofort auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter ;