Trierisch Balaawern

Wo hat das Kind nur diese Wörter gelernt? Sagt doch die kleine Prinzessin Emily plötzlich laut und fröhlich angesichts eines lädierten Spielzeuges: Scheiße, de Pobb öss fräggt! = O weh, die Puppe ist entzwei! Ein Schock für die Eltern, denen in Gegenwart ihrer Sprösslinge niemals solche Wörter über die Lippen kommen. Datt haott datt Könnd bestömmt aus em Könnergaorden möttgebrung.

= Das hat das Kind bestimmt im Kindergarten aufgeschnappt. Und wenn Klein-Leon-Elias stolz seinen neuen Wortschatz ausprobiert, indem er bei einer Sandkastenrauferei seinen Widersacher als Aorschmatz und Dommbaagen bezeichnet, ist klar: datt haott en obb der Straoß obbgeroff! = Das hat er auf der Straße mitbekommen! Naan, bei ons haott en datt nött ze heere kriet! = Nein, von zu Hause hat er es nicht! Jao, wu haonn de Könner datt wei aawer noren här? = Ja woher haben die Kinder es aber nun? Fragen wir sie mal: Emily, kannst du noch mehr solche Wörter? Jao: Saggramänd! Kreizbaan! Saggradschöss! Und wo hast du sie gehört? Wie mein Uupa sisch neilisch mömm Hammer obb den Daume geschlaon haott. Leon-Elias, wie ist das bei dir? Eisch kann naoch: Schaofs-kaobb, Aorschkrammben, domm Luder, Tuudeschösser, Blödmann unn Daos. Das hast du bestimmt auf der Straße von anderen Kindern gehört? Naan, wie eisch die Daach mött meim Pabba mömm Audo möttgefaor waor. Josef Marx ist Autor des Trierer Wörterbuchs, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Horst Schmitt hat er über 10 000 Stichwörter in Hochdeutsch-Trierisch und Trierisch-Hochdeutsch zusammengetragen. Die beiden Autoren erläutern in unserer Kolumne "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart.