Trierisch Balaawern

Manchmal muss ich ein Trierisches Wort, ehe ich es hinschreibe, mehrmals laut aussprechen, um es möglichst treffend in Buchstaben umzusetzen. So bei einem Wort, das heute eine Rolle spielt, und das im Hochdeutschen korrekt der Bonbon (franz.

bonbon = gutgut) heißt. Wie sagt der Trierer dazu? Datt Bongbong oder datt Bommbong? Egal, nur sieß (süß) muss ett sein. Sießischkaaden (Süßigkeiten) lieben alle, und außer Bongbongs oder Bommbongs gibt es davon eine ganze Menge. Für Bonbon kann man eben so gut auch Gudsjen sagen, da steckt ja das Wort gut auch drin. Früher waren einzeln in Papier eingewickelte Bonbons ein Luxus. Das waren die Pabbiloddscher. Meistens kaufte man Bonbons lose beim Krämer aus Gläsern, die gestapelt auf dem Ladentisch standen. Außerdem gab es da Kamellen (Karamellen), Zoggerbuunen, Zoggerstaanscher (Zuckerbohnen, -steinchen), Schoggelad und Stömmes. Stömmes, manchmal auch Bärendrägg genannt, ist die Trierische Bezeichnung für Lakritze. Das war aber dann schon die gesamte Süßwarenabteilung. Süßes gab es (und gibt es auch heute immer noch) in Trierischen Häusern und Küchen: selbst gemachte Marmlaad (Marmelade) und Schelee (Gelee), die unter der Sammelbezeichnung die Sießschmeer, kurz nur datt Sieß, täglich auf dem Tisch standen. Ebenso Äbbelschmeer (Apfelkompott) und Quetscheschmeer (Pflaumenmus). Meine Großmutter sagte zu letzterem die Laddwärsch (hochd. Latwerge). Der Begriff ist aber heute verloren gegangen. Nicht vergessen werden darf auch das Rübenkraut, ein klebriges, zähflüssiges, zuckersüßes, dunkelbraunes Sirup, das in Trier den schönen lautmalerischen Namen Striez hat. Ein besonderes Kunststück war es, enn Striezschmeer (ein mit Rübenkraut bestrichenes Butterbrot) zu essen, ohne dass Finger, Tischdecke, Kleider oder der Boden verkleckert wurden, denn der Striez rann schneller vom Brot runter, als man dieses verzehren konnte. Süßes gab es dann aber auch als Nachspeise, beispielsweise Viezpudding mött sießem Schmand. Das kann man in dem wunderschönen Buch "Gärscht on Hämmespänzjer" unserer geliebten Heimatdichterin Cläre Prem (1899-1988) nachlesen. In einem ganz anderen Zusammenhang taucht das oben erwähnte Gudsjen auch noch einmal in der Mundart auf: Husdegudsjen (Hustenbonbon) oder Peifendeggel (Pfeifendeckel) sagt man, wo es im Hochdeutschen "Pustekuchen!" heißt, wenn also eine Hoffnung sich in nichts auflöst. Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>