Trierisch balaawern

Im Trierischen Wörterbuch wird ein altes Kinderspiel namens Kies genannt. Zu diesem Spiel braucht man nichts weiter als einen kräftigen Stock und einen beiderseits zugespitzten kurzen Stab.

Mit dem Stock haut man auf eine der Spitzen des am Boden liegenden Stabes, der wirbelt dann hoch, dann schlägt man mit dem Stock nach diesem hochschnellenden Stab und treibt ihn möglichst weit fort. Das wird mehrmals wiederholt, und wer so die weiteste Strecke zurücklegt, hat gewonnen. Ich habe es in den 50er Jahren selbst gespielt. Jetzt kommt etwas sehr Merkwürdiges: Kürzlich habe ich das Buch "Die Brücke über die Drina" des 1961 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten serbokroatischen Schriftstellers Ivo Andric wieder in die Hand genommen und bin dabei auf eine Fußnote gestoßen, in der er Spiele beschreibt, die am Anfang des 19. Jahrhunderts von den Kindern seiner Heimat gespielt wurden. Und jetzt wörtlich: Klis, ein an beiden Enden zugespitztes Holz wird vom Boden hoch und weiter in das Spielfeld geschlagen, ähnlich dem Schlagball. Das ist doch das gleiche Spiel, das in Visegrad und in Trier gespielt wird! Und in Trier heißt das Spiel Kies und in Visegrad Klis. Kies und Klis. Das ist doch auch das gleiche Wort! Gibt es denn so einen Zufall? Ich habe die starke Vermutung, nein, ich bin überzeugt, dass es da eine Verbindung geben muss. Aber, wie kam unser Trierer Spiel nach Bosnien und Herzegowina, oder umgekehrt von dort nach Trier? Ich kann es nicht erklären. Jetzt frage ich einmal alle Geografen, Sprachforscher, Volkskundler und Historiker (wozu hat Trier schließlich eine Universität) nach einer Lösung für dieses Rätsel. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. ( schmittzelholz@arcor.de ) Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>