trierisch balaawern

Ich helfe Touristen gerne, sich in unserer Stadt zurechtzufinden. Manchmal wollen sie aber Sachen wissen, bei denen ich überfragt bin.

Foto: (h_st )

Neulich ging es um eine Straße, die jemand suchte und deren Namen ich noch nie gehört hatte: eine Palast-Straße, wo sollte denn die sein?? Na ja, nach längerem Nachdenken hatte ich dann doch bekäbbt (verstanden), wohin er wollte, nämlich önn de Pallast-Straoß. Warum hat er sie auch falsch betont? Wenn die Parkanlage vor dem Kurfürstlichen Palais Pallast-Gaorden (Garten) heißt, dann muss auch die Straße, die vom Hauptmarkt her dorthin führt, logischerweise Pallast-Straoß heißen. Dass sollte man als Tourist schon wissen. Manche Wörter betonen wir Trierer eben anders als Fremde. Auch beim eben genannten Hauptmarkt und bei der anschließenden Simeonstraße ist das so. Der Hauptmarkt wird im Gegensatz zu Viehmarkt und Kornmarkt nicht auf der ersten, sondern auf der zweiten Silbe betont: Haabdmaort und die Simeonstraße, die ihren Namen nach dem (auf der ersten Silbe betonten) Heiligen Simeon hat, ebenfalls auf der zweiten Silbe: Simmjuunstraoß. Es gibt im Trierischen zahlreiche Beispiele für solch eigenwillige und sich nach keinen Regeln richtende Akzentverschiebungen. Ett öss aamfach esuu: dä Bauchnaowel (der Bauchnabel) und der Ort Wasserbillig werden hinten betont, Oberbillig vorne, der Stadtteil Olewig in der Mitte, den Gläserschrank im Wohnzimmer und die Theke in der Wirtschaft nennen wir Büffee (vorne betont), das kalte Buffet betonen wir dagegen hinten, das hochdeutsche Büro ist ein Bürro, der Tunnel ist das Tunäll, und ein Federbett, das gute alte Plumeau (hinten betont, weil französisch), heißt Plümmo. Zum Schluss geht es noch mal um einen Heiligen, den Heiligen Nikolaus. Wenn er am 6. Dezember die Kinder besucht, heißt es: Heit kömmt den Nigglaos, und das Geschenk, das er dabei hat, ist ein Nigglääsjen. Horst Schmitt ist gemeinsam mit Josef Marx Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>