Trierisch Balaawern
Aufgabe: Erzähle eine kleine Geschichte mit den Wörtern Sommer, Hammer und Kammer. Die - wenn auch wenig fantasievolle - Antwort könnte lauten: Im Sommer bringe ich den Hammer in die Kammer.
Ein Trierer macht da etwas Gescheiteres draus: Sommer nött en Radtuur maachen, su schie Weeder hammer nött jeden Daach. Kammer driewer reden! = Sollen wir nicht eine Radtour machen, solch schönes Wetter haben wir nicht oft. Darüber kann man sprechen. sommer = sollen wir, hammer = haben wir, kammer = kann man. Der Trierer geht gern ökono-misch mit seinen Kräften um, auch mit denen der Lippen- und Zungenmuskeln. Er spart sich, wo es möglich, ist Buchstaben, manchmal sogar ganze Wörter. Komma riewer! = Komme einmal herüber!, oder: Gehe bitte zur Seite! Kommer nött blöd! = Sei nicht dreist! Hassdedei Beer aus? Hast du dein Bier leer getrunken? Datt mussder mergken! = Das musst du dir merken! Hassde Fürerschein zerögg? = Hast du den Führerschein zurückerhalten? Färsde mömm Zoch oder flieschsde mömm Fliejer? = Reist du per Zug oder Flugzeug? Datt maache mer, wämmerma Lust haon! = Das machen wir, wenn wir Lust dazu haben. Ein besonders schönes Bei-spiel ist die zur Floskel gewor-dene Wortzusammenziehung wommermasaaren (wörtlich wollen wir einmal sagen) = angenommen, vielleicht, ungefähr: De Pollzei hält aanen aon u mer haot, wommermasaaren, veer Poorze Viez gedrongk, da kammer vir Glögg saon, wennse aanen weiderfaore laoßen. Horst Schmitt ist Autor des Trie rer Wörterbuchs, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Josef Marx hat er über 10 000 Stichwörter in Hochdeutsch-Trierisch und Trierisch-Hochdeutsch zusammengetragen. Die beiden Autoren erläutern in unserer Kolumne "Trierisch balaawern" Besonderheiten der Trierer Mundart.