Trierisch Balawern

Wer hat es in der Schule nicht erlebt. Welcher Deutschlehrer hat es nicht als sprachlich unkorrekt zurückgewiesen, falls es gesprochen, geschweige erst geschrieben wurde.

Der Trierer tut es sich umgangssprachlich nicht an, besonders ausgeklügelte Sprachkonstruktionen zu erfinden. Ihm reicht es, wenn er verstanden wird. So haben die Umgangssprache wie der Dialekt schon immer die Verlaufsform zugelassen, eine Zeitform der Tätigkeit, die den Verlauf der Tätigkeit in ihrer zeitlichen Abfolge darstellt. Der Deutschlehrer fordert das Tun kurz anzugeben. Wir arbeiten. Der Trierer begnügt sich nicht mit der punktuellen Angabe. Mir sönn all aom arbeiden. Er tut es nicht kurzzeitig, sondern während eines längeren Zeitraumes. Schön wäre es für ihn, wenn arbeiten mit einem kurzen, minimalen Zeitaufwand möglich wäre. Aom arbeiden beschreibt die qualvolle, andauernde Tätigkeit. Ebenso kann der Trierer eine lustvolle Tätigkeit andeuten. Ruf spieder naoch emaol aon. Mer sönn wei graoden aom ääßen onn dröngken. Das Feiern dauert etwas länger. Das steht ihm zu. Was er durch die Verlaufsform zum Ausdruck bringt. Von dieser Sprachvariante hat er sich nie abbringen lassen, weshalb gerade durch einen Deutschlehrer. Es wär auch zu schade gewesen. Wie heißt es so schön in einem Trierer Mundartgedicht über dä Biereviez: … ö Ruwer aon nao langem Wannern. Hei waoren de Bauern hönnen o viren graod alle gaoren aom käldern vo Bieren. Momentkeltern hädd kaa gude Biereviez ze wääsch gebronng. Hei moss schonns ebbes länger gekäldert gänn. Und was die Wirkung von frisch gekeltertem Biereviez anbelangt, das braucht man einem Trierer nicht zu erläutern. Wer sie nicht kennt, der kann sich im Herbst mit einem Selbstversuch aom ausprobören beteiligen. Paor Poorzen sieße Biereviez und die Wirkung stellt sich von alleine ein. Nichttrierern sei geraten, danach nicht zu weit vom Abdrödd, sorry von einer Örtlichkeit entfernt aom sötzen ze sönn oder inzwischen in völlig einsamer Natur aom wannern ze sönn. Josef Marx ist gemeinsam mit Horst Schmitt Autor des Trierer Wörterbuchs. Die beiden Autoren erläutern in "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart. Die besten Kolumnen sind auch gesammelt in einem neuen Buch zu lesen, das im Verlag Michael Weyand erschienen ist. "Milljunen Leit - mindestens drei" beleuchtet auf amüsante Weise die Eigenarten des Trierischen. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich, unter 0651/7199-997 sowie im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>

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