Trierisch wohnen neben römischem Bad

Trierisch wohnen neben römischem Bad

Die Baulücke am Beginn der Weberbach, vis-à-vis der Kaiserthermen, ist bald Geschichte: Ein viergeschossiges Haus mit 33 Wohnungen soll dort bis Sommer 2017 entstehen. Für den Bau hat sich eine neue Gesellschaft gegründet - an der auch die Stadt Trier indirekt beteiligt ist.

Trier. Die drei wichtigsten Dinge, die den Wert einer Immobilie bestimmen? Die Lage, die Lage und die Lage. Die Gültigkeit dieses geflügelten Makler-Worts beweist sich in Nähe der Kaiserthermen: Durchschnittlich 3800 Euro kostet ein Quadratmeter Wohnfläche in der geplanten neuen Wohnanlage auf der Brache zu Beginn der Weberbach. Für viele ist das kein Hindernis. "Mehr als 50 Prozent der Wohnungen sind bereits verkauft", sagt Stefan Ahrling, Vorstand der Trierer Wohnungsbaugesellschaft GBT. Die beiden Penthouse-Wohnungen - 120 und 140 Quadratmeter groß - waren zuerst weg. Und das, obwohl über das künftige "Domizil an den Kaiserthermen" bislang so gut wie keine Informationen an die Öffentlichkeit geraten sind.33 Wohnungen und vier Läden


Die Anlage bauen die GBT und die Trierer Stadtwerke gemeinsam (siehe Extra). Insgesamt entstehen in dem Gebäude 33 Wohnungen zwischen 55 und 140 Quadratmetern, alle mit Balkon, teils mit freiem Blick auf Kaiserthermen und Palaestra. Im Erdgeschoss entlang der Weberbach werden vier Läden für Gewerbe errichtet. Grundform ist ein großes U, geöffnet zur Kaiserstraße. "Das ist gen Südwesten, so scheint die Sonne direkt in den Innenhof", erklärt Ahrling. Der Gebäudeschenkel zur Weberbach wird vier Vollgeschosse hoch, darauf - zurückversetzt - werden die beiden Penthouse-Wohnungen errichtet.
Die beiden weiteren Schenkel sind viergeschossig und nehmen damit die Höhe des benachbarten Gebäudes, in dem die Bundespolizei ihren Sitz hat, auf. Auch die Fassade soll an Material und Struktur des Nachbarhauses angeglichen werden. Zwischen den Gebäuden wird der ehemalige Fußweg zum rückwärtig gelegenen Angela-Merici-Gymnasium wieder hergestellt. Der Verkaufspreis von durchschnittlich 3800 Euro pro Quadratmeter diene nicht dazu, den Gewinn der neuen Gesellschaft von GBT und SWT zu maximieren. "Im Gegenteil, unsere Marge wird sehr gering ausfallen", sagt Wilhelm Keule, Prokurist der GBT.Archäologen suchen Gelände ab


Die geforderte hohe Qualität bei Architektur und Umsetzung vis-à-vis der Kaiserthermen, die nötige aufwendige Abstützung der Baugrube, die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz des Gebäudes und der Bau der doppelstöckigen Tiefgarage: Das alles treibe die Bausumme - und damit die Preise für die späteren Eigentumswohnungen - in die Höhe. "Hätten wir die neue Energieeinsparverordnung, die dieses Jahr Gesetz werden soll, erfüllen müssen, wäre der Bau wohl nicht wirtschaftlich umzusetzen gewesen", ist sich Keule sicher.
Dazu kommt, dass die Investition die nächsten 15 Monate zunächst auf Eis liegt. So lange dürfen die Archäologen des Rheinischen Landesmuseums das Grundstück nach römischen und mittelalterlichen Bauresten absuchen. In direkter Nähe der Kaiserthermen sind entsprechende Funde wahrscheinlich. Im Oktober 2015 soll der Bau der zweistöckigen Tiefgarage mit 57 Plätzen beginnen, die später über die Wechselstraße angefahren werden kann. Fertig sein soll die komplette Wohnanlage im Sommer 2017. Insgesamt rechnen GBT und SWT mit einer Bausumme von zwölf Millionen Euro.Extra

Domizil an den Thermen GmbH & Co. KG heißt die neue Gesellschaft, die die Stadtwerke Trier GmbH und die GBT Wohnungsbau und Treuhand AG gegründet haben, um gemeinsam die neue Wohnanlage in der Weberbach zu errichten. SWT und GBT halten jeweils 50 Prozent an der neuen Gesellschaft, in die die SWT vorrangig das Gelände einbringen, während die GBT die Bauträgerleistungen übernimmt. Die Stadt Trier ist über beide Gesellschafter an der neuen GmbH beteiligt: An der GBT hält die Stadt 38 Prozent, an den Stadtwerken über die städtische SWT Anstalt des öffentlichen Rechts indirekt 100 Prozent. Das Gelände, auf dem die Wohnanlage entsteht, ist 1800 Quadratmeter groß. 2009 hatten Stadt und SWT einen Architektenwettbewerb für das Areal ausgeschrieben. Das Büro Eckhart und Hahn, Darmstadt, reichte den Siegerentwurf ein, der nun realisiert werden soll. Den Bau ausführen wird der Trierer Architekt Werner Schaack. Die Baugenehmigung hatte die Stadt im Sommer 2013 erteilt. woc

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