Trierisches Jahrbuch 2018: Marx, Murks und das Erinnern

Buchpräsentation : Trierisches Jahrbuch 2018: Marx, Murks und das Erinnern

Der Verein Trierisch kämpft seit 1960 gegen das Vergessen von Geschichtlichem. Im Kurfürstlichen Palais stellte er vergangenen Sonntag sein „Neues Trierisches Jahrbuch 2018“ vor. Karl Marx spielt die Hauptrolle.

  Was bedeutet Erinnern wirklich? Welche Rolle spielt die Erinnerung für das Hier und Heute? Wie kann uns die Geschichte helfen, die Gegenwart besser zu verstehen? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich der Verein Trierisch schon seit 1897. Seit 1960 bündelt er im „Neuen Trierischen Jahrbuch“ informative oder kritische Beiträge zur Trierer Geschichte, Denkmalpflege und Brauchtümern. Dieses Jahr steht Karl Marx im Mittelpunkt.

Joachim Brück beispielsweise widmet sich als Autor der Denkmalpflege und moniert den Zustand des Wohnhauses der Familie Marx in der Simeonstraße. Er versieht es mit dem Prädikat „gefährdet“. Wieso? Nicht der Bausubstanz wegen, sondern wegen des unwürdigen Erscheinungsbildes des Erdgeschosses, in dem sich heute ein „Euro Shop“ befinde, schreibt er. Ob Marx das gutheißen würde?

Der Umgang mit Karl Marx in Trier entzieht sich nicht der Polemik: „Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Goldkettchen – Heidi Klum“, zitiert Historikerin Beatrix Bouvier scherzhaft aus den Gästebüchern zur Karl-Marx-Ausstellung. Die eremitierte Professorin hält anlässlich der Präsentation des „Neuen Trierischen Jahrbuchs“ eine Festrede.

Immer wieder tauchten Zitatfetzen auf in den Gästebüchern, erzählt sie: Ein Gespenst gehe um in Trier. Das Wesen eines Gespenstes sei seine Unsterblichkeit. Die Aufgabe eines Gespenstes sei es, die Leute in tiefer Nacht erwachen zu lassen.

Die Erinnerung an die Marxschen Schriften ist allgegenwärtig. Andere historisch relevante Geschichten treten jedoch im allgemeinen Bewusstsein in den Hintergrund. Für die Forschung oder für den interessierten Laien gibt es in dem Buch auch Fachbeiträge: „Jüdische Arbeitswelten in Spätmittelalter und Früher Neuzeit“ oder „Leben und Arbeiten der Dorfbevölkerung im Trierer Land im 19. Jahrhundert“ heißen die Titel der Beiträge. Sie sind durchschnittlich 20 bis 30 Seiten lang.

Die Fachartikel verfolgen dieses Jahr ein bestimmtes Konzept: „Wir wollten wissen, wie sich Marx’ Vorstellungen, seine Thesen, und seine Philosophie entwickelt haben und haben uns gedacht, die zweitausendjährige Kultur Triers dürfte nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sein. Dann haben wir uns angeschaut, was ihn geprägt und beeinflusst hat und wie sich das entwickelt hat“. Daraufhin habe der Verein Autoren gesucht, die sich für das Thema interessieren. Das erklärt Udo Fleck, der Vorstandvorsitzende des Vereins. Er wisse nicht, wieviele Arbeitsstunden in dem Jahrbuch stecken. „Aber das ist halt das Los des Vorsitzenden.“

Musikalisch wurde der Abend vom Swingsextett des Friedrich-Wilhelm-Gymnasims begleitet: Sopransaxophon: David Schaffrath, Violine 1: Magdalena Krupp, Violine 2: Anna-Sophia Wagner, Viola: Janicka Lauterbach, Violoncello: Caroline Kröner, Schlagzeug: Philipp Kaster. Hiltrud und

Walter Schrage haben Mundartgedichte vorgetragen.

Das Neue Trierische Jahrbuch gibt es für 12,50 Euro in vielen Buchhandlungen Triers.

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