Triers ältester Studentenkneipe droht das Aus

Triers ältester Studentenkneipe droht das Aus

Ende einer Ära: Das Bistum will Ende März 2013 die Kneipe im Haus Fetzenreich am Rindertanzplatz schließen. Die Bar war für Generationen von Studenten ein beliebter Treffpunkt. Für viele ist die Schließung keine Überraschung.

Trier. Ein Denkmal der Trierer Studentenszene wackelt. Geht es nach dem Bistum, muss die Fetzen-Kneipe im Haus Fetzenreich am Rindertanzplatz im März nächsten Jahres schließen. Der Grund: die umfangreichen Sparmaßnahmen, die schon der Katholischen Akademie auf dem Markusberg ein Ende bereiteten.
Mit dem Sparkurs der bischöflichen Finanzplaner hat die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), die die Fetzen-Kneipe betreibt, schon Erfahrungen sammeln können: "Ursprünglich sollte die KHG ganz geschlossen werden. Wir sind froh und dankbar, dass wir weitermachen können", sagt Kirsten Denker-Burr. Die Pastoralreferentin leitet die Gemeinde kommissarisch, seit Hochschul-Pfarrer Ralph Hildesheim im Oktober vergangenen Jahres versetzt wurde - ebenfalls wegen der Sparmaßnahmen (der TV berichtete). "Gewisse Einschränkungen müssen wir einfach hinnehmen", sagt Denker-Burr.
Ohne Pfarrer keine Kneipe


Eben die wegrationalisierte Pastoren-Stelle ist laut Bistum auch der ausschlaggebende Grund für die Schließung der Kneipe: "Die Fetzen-Kneipe bräuchte starke personelle Seelsorgeressourcen, um sie im Sinne von Seelsorge sinnvoll weiter zu führen und zu betreuen", erklärt Horst Drach, Abteilungsleiter Pastorale Felder beim Bistum Trier. Ohne Seelsorger also keine Fetzen-Kneipe.
Vier Jahrzehnte lang unterhielt die Keller-Bar in der Innenstadt ihre meist studentische Klientel mit Musik, Bier und Kickerturnieren. Die Studenten der Hochschulgemeinde sind von der drohenden Schließung trotzdem nicht sonderlich überrascht. "Es kommt nicht total unerwartet", sagt Maren Henk. Die 26-Jährige studiert Theologie und Latein und engagiert sich ehrenamtlich bei der KHG, die auch ein Café an der Universität betreibt.
Vor anderthalb Jahren hatte sich Henk gemeinsam mit anderen Studenten erfolgreich gegen die geplante Auflösung der Gemeinde zur Wehr gesetzt. Die jungen Leute hatten demonstriert, Flugblätter verteilt und Briefe an den Bischof geschrieben.
"Wenn das Bistum jetzt Einrichtungen schließen muss, kann ich verstehen, dass dafür die Kneipe gewählt wurde", sagt Henks Kommilitonin Dorothee Süller.
Bistum prüft neue Nutzung


Die anderen kirchlichen Einrichtungen im Haus Fetzenreich, die Fachstelle Kinder- und Jugendpastoral und die Katholische Frauengemeinschaft können offenbar bleiben. Und auch die KHG könnte in dem Gebäude vielleicht weiterhin ein Büro unterhalten.
Was mit dem Kneipenraum im Keller passieren soll, ist aber noch nicht klar. "Da die Katholische Hochschulgemeinde vor diesem Hintergrund auch einen geringeren Raumbedarf hat, prüft das Bistum derzeit eine neue sinnvolle Nutzung der Immobilie in der Sichelstraße", erklärt Bistums-Mann Drach. Bei der Trierer Studentenschaft kommt die Schließung erwartungsgemäß schlecht an. "Seit mehr als 40 Jahren gibt es diese Kneipe. Ich hätte in Trier nie so viele Leute kennengelernt, wenn ich nicht hier gelandet wäre", sagt Sebastian Druglat. So sieht das auch Betriebswirtschafts-Student Daniel Schmitt: "Wieder eine Möglichkeit weniger, wo man hingehen kann", sagt er. "Dabei machen die Kneipen doch den Charme unserer Stadt aus."Extra

Die Fetzen-Kneipe ist im Untergeschoss von Haus Fetzenreich in der Sichelstraße beim Rindertanzplatz. Der Name Fetzenreich kommt vom ehemaligen Besitzer des Hauses: Der Trierer Schöffe Bonifacius - im Trierer Dialekt "Fetz" genannt - war im 13. Jahrhundert Eigentümer des stattlichen Renaissance-Palastes mitten in der Stadt. Sein Beiname "der Reiche" führte später zum Namen "Fetzenreich". Die Kneipe ist in der ehemaligen Küche des Gebäudes untergebracht. An der Universität führt die KHG zusätzlich ein Café, das Fetzen-Café. sen

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