Triers Alt-Oberbürgermeister Jensen kritisiert Entscheidung zu Brubacher Hof

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : „Schlag ins Gesicht aller Wohnungssuchenden“

Nach dem Ende des Baugebiets Brubacher Hof beginnt die Diskussion über die Folgen. Auch Alt-Oberbürgermeister Klaus Jensen findet deutliche Worte.

Das Baugebiet Brubacher Hof ist von der Mehrheit des Stadtrats gekippt worden. Die Entscheidung wird auch eine Woche später noch intensiv in den sozialen Netzwerken diskutiert. Alt-Oberbürgermeister Klaus Jensen beteiligt sich nach eigenen Angaben nicht an solchen Diskussionen. Schweigen will er dennoch nicht. Der Beschluss des Stadtrats habe ihn aber tief getroffen und wütend gemacht, sagt er in seinem ersten Interwiew seit vier Jahren zu kommunalpolitischen Fragen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Wohnungssuchenden.“

Die großen Verlierer der Entscheidung sind nach Meinung des ehemaligen SPD-Staatssekretärs und Sozialplaners auch alle Mieter in der Stadt. „Denn weniger Neubauten treiben die ohnehin hohen Mieten weiter in die Höhe.“ Dass dies auch für die Grundstückspreise gilt, zeigt der analysierende Blick auf den Grundstücksmarkt der Region (TV vom 16. August). Ein Ende der Preisspirale ist demnach nicht abzusehen. Denn Bauland ist extrem knapp. „Wenn das Baugebiet Brubacher Hof nicht kommt, dann gehen die Preise durch die Decke. Trier braucht neues Bauland“, prophezeit ein Sprecher des Gutachterausschusses Westeifel-Mosel.

Foto: Rainer Neubert

Doch wie viel Baulandreserven hat die Stadt Trier tatsächlich? Das hatten die Stadtratsfraktionen Die Linke und FDP mit ihren Anfragen an die Verwaltung erfragt. Die Antworten, die auch in Kapitel 5 des im Internet öffentlich zugänglichen Flächennutzungsplans nachzulesen sind, fallen ernüchternd aus. Demnach gibt es derzeit insgesamt Baulücken für Wohnhäuser im Stadtgebiet in einer Größenordnung von 17,6 Hektar und 8,5 Hektar für langjährige Baulücken. Das Potenzial für eine Nachverdichtung von Wohnraum wird mit 8,9 Hektar beziffert. Addiert mit den 15,8 Hektar der Baugebiete, die sich derzeit im Stadtgebiet in der Entwicklung befinden, ergibt sich eine Baulandreserve von 50,8 Hektar. Der Gesamtbedarf an Nettobauland bis zum Jahr 2030 liegt bei 156 Hektar. Insgesamt geht die Stadtverwaltung dabei von einem Bedarf von 8450 Wohnungen aus – 2080 im Eigenheimbau; 6260 in Mehrfamilienhäusern. Mehr als die Hälfte des Fehlbedarfs sollte nach dem neuen Flächennutzungsplan durch die drei Baugebiete Brubacher Hof, Castelnau Mattheis und Ruwer Zentenbüsch gedeckt werden. Mit dem Ende des Projekts Brubach fehlen nun mittel- bis langfristig mehr als 20 Hektar Bauland.

„Mit Blick auf die unbebauten Einzelgrundstücke sollten die Stadtverwaltung und der Stadtrat prüfen, ob in Zukunft mit Baugeboten der Spekulation Einhalt geboten wird“, fordert Klaus Jensen angesichts der sich verschärfenden Situation. Das ist am Augustinerhof bislang kein Thema, wie die Antwort der Verwaltung auf die Anfrage der Linken verdeutlicht: „Eigentümer sind bisher noch nicht angesprochen worden.“ Das werde aber erwogen im Rahmen der geplanten Einführung eines städtischen Baulandkatasters. Mit dem sollen sofort bebaubare Flächen im Stadtgebiet auf den Online-Seiten der Stadt Trier gezeigt werden – „soweit die Eigentümer der Flächen der Veröffentlichung nicht widersprechen“.

Zwischen 2008 und 2018 sind in Trier nach Angaben der Verwaltung 3850 neue Wohnungen gebaut worden, 3111 in Mehrfamilienhäusern und 739 in Ein- und Zweifamilienhäusern. 60 Prozent davon stehen in den Stadtteilen Feyen, Kürenz, Tarforst und Filsch.

Der sonst sehr zurückhaltende Klaus Jensen sieht angesichts dieser Fakten eine Gefahr für die zukünftige Entwicklung der Stadt Trier. „Es gibt keinen ökologischen Vorteil, Baugebiete in der Stadt abzulehnen. Irgendwo müssen die Menschen wohnen. Es ist zynisch, sie ins Umland zu zwingen.“