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Triers berühmteste Umweltaktivistin ist tot

Triers berühmteste Umweltaktivistin ist tot

Else Fichter ist tot. Die bekannte Trierer Umweltaktivistin, besser bekannt unter dem Namen Solar-Else, starb am vergangenen Freitag im Alter von 88 Jahren in einem Trierer Altenheim.

Trier. "Das schaffen wir auch noch", gab sich Else Fichter bei einem unserer letzten Treffen frohgemut. Soeben hatte Frankreichs Staatspräsident erklärt, über kurz oder lang das Atomkraftwerk Fessenheim schließen zu wollen. Eine Nachricht so ganz nach dem Geschmack der alten Dame, eine Meldung, mit der man ihr eine Freude machen konnte. Doch die währte kurz und wich sogleich einer für sie typischen Ansage: "Und jetzt Cattenom!"
Else Fichter war eine Überzeugungstäterin - weil sie tat, wovon sie überzeugt war. Darin unterschied sie sich von jenen Verbalaktivisten, die immerzu nach Verboten und Vorschriften verlangen und darüber "vergessen", das eigene Verhalten zu ändern. Solcherart Inkonsequenz ließ sie nicht durchgehen, da konnte Else Fichter resolut werden. Dank ihrer lebensbejahenden Fröhlichkeit nahm man es ihr nicht übel.
Zumal sie selbst eine Spätberufene war: Anfang der 70er Jahre brachte sie der Bericht des Club of Rome zum Umdenken. Die Studienrätin, die in Saarburg unterrichtet hatte, hatte in ihrem Leben schon etliche PS-starke Fahrzeuge besessen, als aus der Freundin schneller Autos eine Vorkämpferin der Energiewende wurde - als es diesen Begriff noch nicht gab. Lange bevor der Rio-Gipfel 1992 die Losung ausgab, galt für Else Fichter schon: global denken, lokal handeln!
So war sie am Bau des ersten Windrads in der Region beteiligt. "Das hatte noch drei Füßchen", erzählte sie später gerne. Vor allem aber sponserte Else Fichter Solar- und Photovoltaikanlagen auf Schuldächern und Privatgebäuden.
Für viele Trierer war sie die "Solar-Else" - ein Spitzname, auf den sie stolz war. Else Fichter beherzigte auch immer die Devise "Tue Gutes und rede darüber": Funk, Fernsehen und Volksfreund berichteten regelmäßig über ihr Engagement. Zeitweilig gehörte sie zwei Dutzend Verbänden an, deren Mitgliedsmagazine stapelten sich dann auf ihrer Fensterbank. Hartnäckig warb Else Fichter für kleine Projekte oder mobilisierte gegen große, im Sammeln von Unterschriften war sie Profi.
Das AKW Fessenheim ist weiter in Betrieb, seine Stilllegung sollte Else Fichter nicht mehr erleben. Im Alter von 88 Jahren starb sie am vergangenen Freitag in einem Trierer Altenheim, friedlich und schmerzlos schlief sie ein.
Mit ihr verliert die Stadt ein Original und eine ebenso einzigartige wie unermüdliche Umweltaktivistin. Einiges von ihrer Energie wird bleiben, dafür hat sie vorgesorgt: mit zahlreichen Photovoltaikanlagen, die vor allem dank ihrer Unterstützung gebaut wurden. mst