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Triers designierte 72. Weinkönigin Louisa Kreß könnte wegen Corona zwei Jahre regieren

Tradition : Majestät in spe hat einen Plan B

Louisa Kreß soll Triers 72. Weinkönigin werden – und wegen Corona möglicherweise zwei Jahre im Amt bleiben.

„Corona hin oder her – Tradition bleibt Tradition.“ Peter Terges, Vorsitzender der Vereinigung Trier-Olewiger Winzer, hat klare Prinzipien: „Ein Jahr ohne Trierer Weinkönigin wäre ein Unding.“

Und so hält der 66-Jährige an dem Plan fest, der seinen Ursprung in der jüngsten Karnevalssession hat. Da besuchte Terges eine Sitzung der KG Heuschreck – und war „hin und weg, als ich den Auftritt dieser wunderbaren jungen Frau sah“.

Ein Aha-Erlebnis mit Folgen. Denn Luisa Kreß, die bei ihrer Bühnenpremiere singend und genüsslich die männlich dominierte Narrenwelt durch den Kakao zog, war plötzlich allerheißeste Kandidatin für das Amt der nächsten Trierer Weinkönigin, die – auch das hat Tradition – seit geraumer Zeit Peter Terges sucht und findet.

Louisa Kreß ließ sich nicht lange bitten:„Herr Terges ist mit einer solchen Überzeugungskraft an mich herangetreten, da blieb mir ja fast keine andere Wahl. Aber ganz im Ernst: Ich bin sehr stolz und freue mich auf das Amt.“

Zumal sie „bekennende Weinfreundin“ sei (und am allerliebsten Riesling feinherb genieße) und, was im Falle von Trierer Weinköniginnen kein Muss ist, auch tatsächlich persönlichen Bezug zum Thema hat. Josef Baltes aus Temmels, der Großvater mütterlicherseits, war früher Winzer, „und da haben meine Schwestern Paulina und Magdalena und ich schon als Kinder im Weinberg mitgeholfen“. Und das Schwestern-Trio habe selbstverständlich auch „kräftig gejubelt“, als 2004 die Temmelserin Petra Zimmermann Deutsche Weinkönigin wurde.

Wie das mit dem Jubel um die Trierer Weinkönigin Louisa I. sein wird, ist noch völlig ungewiss. Krönungsabend und Verabschiedung von Noch-Amtsinhaberin Leonie Zeimet (21) wie üblich am Mittwoch vor dem Weinfest (27. Juli) vor großem Publikum im Olewiger Klostergarten oder nur im kleinen Rahmen im Rathaus?

„Ich rechne mit allem“, sagt die im Stadtteil Heiligkreuz aufgewachsene und nun „nebenan in Feyen“ wohnende 26-Jährige in Anspielung auf ihren Beruf. Sie hat Mathematik und katholische Theologie studiert (Abschluss: Master of Education mit der Note 1,1) und unterrichtet Mathe an der Blandine-Merten-Realschule Trier.

Für den Fall, dass Corona einen Strich durch die 2020er Vorhaben des traditionsbewussten Olewiger Winzervereins (der seit 1949 Triers Weinkönigin kürt und das Weinfest der ältesten Stadt Deutschlands ausrichtet) macht, gibt es einen Plan B: „Dann findet das 72. Weinfest eben ein Jahr später statt, und die 72. Weinkönigin bleibt ein Jahr länger im Amt“, erklärt Vereinschef Terges.

Ambitionen auf eine weitergehende überregionale Karriere als Majestät – etwa als Gebietsweinkönigin oder -prinzessin – hat Louisa Kreß laut eigenem Bekunden „eher nicht. Auf lange Sicht arbeitete ich daran. die beliebteste Mathelehrerin zu werden ...“ Ein kleiner Scherz, aber mit reellem Hintergrund: „Weinkönigin zum sein ist ein Traum und Mathe zu unterrichten für mich ein Traumberuf.“