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Triers Dezernent Andreas Ludwig dementiert Landratskandidatur in Bad Kreuznach

Triers Dezernent Andreas Ludwig dementiert Landratskandidatur in Bad Kreuznach

Andreas Ludwig (CDU), Baudezernent der Stadt Trier, soll am Samstag vom CDU-Kreisverband Band Kreuznach als Landratskandidat benannt und nominiert werden – das berichtet der „Oeffentliche Anzeiger“. Die Meldung jagte den Puls von Triers OB Wolfram Leibe (SPD) gewaltig nach oben. Doch sie ist falsch, wie Ludwig im Gespräch mit volksfreund.de am Mittwoch klarstellt.

"Die Kreis-CDU scheint ihren Landratskandidaten nach langer Suche gefunden zu haben: Der Christdemokrat Andreas Ludwig (54), gebürtiger Idar-Obersteiner, soll in der Urwahl um die Nachfolge Franz-Josef Diels antreten." So heißt es am Mittwochmorgen in einem Bericht des zur Rhein-Zeitung gehörenden "Oeffentlichen Anzeigers" in Bad Kreuznach. Dieser Bericht ist auch am Mittwochabend noch online zu lesen.
Votum am Samstag
Weiter heißt es wörtlich: "Ludwig, von 2003 bis 2011 Oberbürgermeister von Bad Kreuznach, soll laut Informationen des Oeffentlichen Anzeigers am Samstag vom CDU-Kreisverband als Kandidat benannt werden."
Ein echter Hammer: Andreas Ludwig, der im Januar 2015 zum Trierer Baudezernenten gewählt worden ist und sich seitdem als Problemlöser und starker Partner von OB Wolfram Leibe (SPD) etabliert hat, soll Trier wieder verlassen? Er soll als Landrat in dem Kreis antreten, dessen größte Stadt ihn 2011 als Oberbürgermeister abgewählt hat? Ausgerechnet Bad Kreuznach? Immerhin: Seine Familie lebt noch dort, seine Kinder gehen in Bad Kreuznach zur Schule, seine Frau arbeitet als Apothekerin.
Der TV sucht den Baudezernenten und findet ihn erstaunt und erzürnt. "Ich habe keine Ahnung, wo die das herhaben", sagt er. "Ich habe kein Interesse an einer Kandidatur in Bad Kreuznach erklärt, stehe dafür nicht zur Verfügung und bleibe selbstverständlich hier in Trier."
Nachdem der erste Stress überwunden ist, reagiert Ludwig mit Humor. "Mein Dank an diejenigen, die mir zutrauen, das Amt des Landrates in Bad Kreuznach zu führen. Gerne blicke ich auf die 16 Jahre Dienstzeit in Bad Kreuznach zurück und bin nach wie vor stolz auf meine Erfolge, die ich im Sinne der Bürgerschaft zusammen mit den vielen Kollegen in Rat und Verwaltung erarbeiten konnte."
Das Amt des Landrats habe schon einen gewissen Reiz, räumt Ludwig ein. "Allerdings habe ich vor einem Jahr in Trier einen schwierigen Auftrag übernommen, den ich auch erfüllen möchte. Meine Aufgabe ist es, die Baugeschichte in der ältesten Stadt Deutschlands fortzuschreiben."
Der Kapitän dürfe nicht von Bord gehen: "Unzweifelhaft wird der Baudezernent Andreas Ludwig in Trier gebraucht, um die eingeleiteten Prozesse fortzuführen." Seine zentrale Botschaft nach Bad Kreuznach, übrigens die Heimatstadt von CDU-Landeschefin Julia Klöckner: "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich hiermit erkläre, in Bad Kreuznach nicht als Landrat kandidieren zu wollen."
Und was sagt OB Wolfram Leibe? "Ich atme auf."

HINTERGRUND


Andreas Ludwig (54) stammt aus Idar-Oberstein. Der Architekt war von 1995 bis 2003 Dezernent und von 2003 bis 2011 Oberbürgermeister von Bad Kreuznach. Im April 2011 verlor er die Stichwahl gegen Heike Kaster-Meurer (SPD). Im November 2012 wurde Ludwig zum Bürgermeister und Bau- und Umweltdezernenten in Eisenach (Thüringen) gewählt.
Im Januar 2015 wählte ihn der Trierer Stadtrat mehrheitlich zum neuen Baudezernenten und Nachfolger von Simone Kaes-Torchiani (CDU). Im Mai trat Ludwig sein neues Amt an und übernahm bereits eine Woche später die Ressorts Schulen und Sport von seiner Stadtvorstandskollegin Angelika Birk (Die Grünen). Er genießt hohes Ansehen in Trier. MEINUNG

Eine gute Nachricht

Andreas Ludwig bleibt in Trier - das ist eine gute Nachricht und auch eine Gelegenheit, kurz zu reflektieren, wie sehr der Architekt das Klima im Stadtvorstand verändert hat.
Denn dieses aus dem Oberbürgermeister und den Dezernenten bestehende Gremium ist seit Jahren ein Problemfeld. Ex-OB Klaus Jensen (SPD), ein sehr auf Ruhe und Sachlichkeit ausgerichteter Verwaltungschef, sah sich täglich mit Ärger, Krach und Zickereien konfrontiert. Zwischen Bürgermeisterin Angelika Birk (Bündnis 90/Die Grünen) und Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) krachte es derart hart und oft, dass auch die dicken Wände des Rathauses die Lautstärke kaum noch dämpfen konnten.
Jensen stand auch in der Öffentlichkeit oft allein. Während sein Vorgänger Helmut Schröer (CDU) im damaligen Baudezernenten Peter Dietze (SPD) einen kongenialen Partner hatte, konnte Jensen von dieser Form der Unterstützung allenfalls träumen.
OB Wolfram Leibe (SPD) und Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) zeigen seit einem Jahr eine Einigkeit und Effizienz, die sich mit dem Duo Schröer/Dietze messen kann. Eine unerwartete Wendung für Trier. Ein Abschied Ludwigs wäre eine wirklich schlechte Nachricht gewesen - für den OB, für die Verwaltung und für alle, die von einer Verwaltung keinen Zoff, sondern Lösungen erwarten.