Triers erste Elektrobusse sind weiterhin außer Betrieb

Kostenpflichtiger Inhalt: Öffentlicher Nahverkehr : Triers erste E-Busse auf dem Abstellgleis

Für Sileo-S12-Fahrzeuge gilt ein bundesweites Fahrverbot. Die Stadtwerke setzen dennoch weiter auf Elektroantrieb.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass Oberbürgermeister Wolfram Leibe stolz den Start Triers in ein neues Zeitalter des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) verkündete. Am 11. Dezember 2018 präsentierten die Stadtwerke (SWT), deren Verwaltungsratschef Leibe ist, öffentlichkeitswirksam ihren ersten Elektrobus, produziert vom deutsch-türkischen Unternehmen Sileo (Salzgitter). Der damals einzige E-Bus im Linieneinsatz in Rheinland-Pfalz machte bald Schlagzeilen wegen Softwareproblemen, die ihn auf offener Strecke kapitulieren ließen. Nach einem Update und der Lieferung und Inbetriebnahme von zwei weiteren Sileo S 12 mit ebenfalls anfänglichen und behobenen Problemen schien so weit alles in Ordnung. Bis Ende Juni. Da brannte im bayerischen Burghausen ein Sileo S12 aus, nachdem die Batterie beim Laden explodiert war. Seither stehen in Deutschland alle Busse dieser Baureihe – insgesamt 53 – still. Das aus Sicherheitsgründen verhängte Fahrverbot besteht immer noch.

SWT-Verkehrschef Michael Schröder gibt unverblümt zu, dass er „ziemlich sauer“ ist. Denn trotz gegenteiliger Beteuerung von Sileo, das für einen Neustart notwendige TÜV-Gutachten werde bald vorliegen, habe sich immer noch nichts getan: „Auch Fristen zur Nachbesserung wurden nicht eingehalten. Wir fühlen uns hingehalten und erwägen juristische Schritte.“

Zwei der drei Sileos – Nummer drei wurde zwischenzeitlich per Tieflader nach Salzgitter verfrachtet – stehen ganz am Rande des SWT-Verkehrsbetriebs-Geländes in der Gottbillstraße in sicherer Entfernung zu anderen Fahrzeugen. Denn in Burghausen hatte seinerzeit das Feuer auch die Halle zerstört, in der der in Brand geratene S12 stand. Bilanz: Zwei Leichtverletzte und Millionenschaden.

Schröder glaubt nicht, dass die SWT-Sileos noch einmal auf die Strecke gehen: „Wir wollen sie zurückgeben und aus dem Kaufvertrag aussteigen, sprich: unser Geld zurück. Denn die ganze Misere basiert ja nicht auf unserem Verschulden.“

Rund 1,7 Millionen schwer war die SWT-Investition zum Start in die neue ÖPNV-Ära. Weitere Zahlen nennen die Stadtwerke nicht. Nur so viel: Es sei bislang nur ein Teil des Betrages nach Salzgitter überwiesen worden, und die Bundesförderung von 407 000 Euro sei noch nicht an Trier ausbezahlt worden. Aber: „Der Zuwendungsbescheid liegt vor!“

Das Geld vom Berliner Verkehrsministerium wollen die Stadtwerke nach wie vor, denn für sie ist das Thema Elektromobilität nach dem Anfangs-Flop keineswegs abgehakt. Nach einer europaweiten Ausschreibung zur Komplett-Erneuerung der SWT-Busflotte hat die Firma „Daimler Buses Deutschland“ den Zuschlag erhalten. Bis 2026 werden 90 Mercedes-Benz Stadtbusse des Typs Citaro geliefert, jeder zehnte davon mit E-Antrieb. Gesamtvolumen: rund 30 Millionen Euro.

Künftig kaufen die Stadtwerke E-Busse der Marke Citaro. Dieser Wagen ist derzeit testweise auf der Linie 5 im Einsatz. Foto: Stadtwerke Trier

Die ersten vier Gelenkbusse (mit Dieselmotoren) kommen im Januar. In der nächsten Charge (zehn Fahrzeuge im Sommer/Herbst) ist dann auch ein emissionsfreier Citaro dabei, wie er seit vergangener Woche bereits in Trier unterwegs ist. Mercedes hat ihn bis zum 20. Dezember zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Die Stadtwerke setzen ihn auf der Linie 5 ein, auf der auch die Sileos fuhren. Aus gutem Grund: Die Strecke Castelforte-Feyen erfüllt zum einen die Voraussetzungen für die Bundesförderung („topografisch anspruchsvoller Linienverlauf“). Zum anderen legt ein E-Bus auf der 20-Minuten-Takt-Linie 5 täglich lediglich 162 Kilometer zurück. Somit ist auch bei extremen Klimaverhältnissen nicht zu befürchten, dass eine Batterie neuerer Generation schlappmacht.

Auf der „rapiden Innovation auf dem Gebiet der Batterietechnik“ basiert Schröders Glaube an die Zukunft der Elektromobilität: „Von Jahr zu Jahr erhöht sich die Reichweite beträchtlich. Es gibt jedes Jahr eine Evolution. Die machen wir als fortschrittliches Unternehmen mit und gehen mit gutem Beispiel voran.“