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Triers erster Behindertenbeirat

Triers erster Behindertenbeirat

Die Stadt hat ab sofort einen offiziellen Behindertenbeirat. Bei der konstituierenden Sitzung im großen Rathaus-Saal vertagten dessen 17 Mitglieder aber die Wahl zum Vorsitzenden und benannten stattdessen eine kommissarische Leiterin.

Trier. Nachdem bereits Ende August 2008 die Einrichtung eines Behindertenbeirates für Trier beschlossen wurde, kam dieser zu seiner ersten Sitzung zusammen. Insgesamt besteht der Trierer Rat aus 17 stimmberechtigten Mitgliedern: zehn Bürger, die sich nach einem städtischen Aufruf selbst für einen Sitz vorgeschlagen haben oder vorgeschlagen wurden, sowie sechs Vertreter der Ratsfraktionen plus die Sozialdezernentin Angelika Birk.
Komplettiert wird der Beirat noch durch ein Gremium von sieben beratenden Mitgliedern: Dazu gehören etwa Angehörige der Verwaltung, weiterer Beiräte sowie Vertreter von Sozial- und Interessenverbänden wie dem Club Aktiv.
Die Tücken des Protokolls


Der Behindertenbeirat soll "bei Angelegenheiten, die die Belange der behinderten Einwohner der Stadt berühren, gehört werden und den Stadtrat und seine Gremien unterstützen" - so jedenfalls definiert eine Mustersatzung des Landes die Aufgaben.
Der Trierer Beirat wählt aus seinen Reihen einen Vorsitzenden, der dann gegenüber dem Stadtrat als Behindertenbeauftragter auftritt. 56 solcher Beauftragter gibt es bereits im Land - in Trier lässt er allerdings noch etwas weiter auf sich warten. Denn noch während Oberbürgermeister Klaus Jensen kommissarisch die erste Sitzung des Beirates leitete, machten einige Mitglieder den Vorschlag, sich erst einmal genauer kennenzulernen - schließlich sei die Wahl des Vorsitzenden und damit des Sprechers gegenüber der Stadt bindend für die Dauer der Wahlzeit des Rates. Daher wurde die vorläufige Geschäftsordnung vor ihrer Verabschiedung entsprechend geändert: Der Beirat kann jetzt selbst bestimmen, wann er seinen Vorsitzenden wählt.
Bis dahin kürten die 17 Stimmberechtigten Nancy Poser aus Tarforst zur kommissarischen Leiterin. Die 32-Jährige, selbst durch Muskelatrophie auf den Rollstuhl angewiesen, arbeitet als Richterin am Amtsgericht - und hatte ursprünglich gar nicht vor, für ein Amt zu kandidieren. Dass ihre Rolle nur vorläufig ist, sei ihr daher durchaus recht, sagte sie.
Schon während dieser ersten Sitzung lernten die meist unerfahrenen Beiratsmitglieder die Tücken des strengen Protokolls kennen. So musste ein nur als stellvertretendes Mitglied Anwesender, der offenbar Ambitionen auf das Amt des Vorsitzenden hatte, mehrfach von Jensen erinnert werden, dass er bei den anstehenden Entscheidungen kein Stimmrecht habe.
Jensen, der in den 90er Jahren selbst Landesbehindertenbeauftragter war, wies aber darauf hin, dass seiner Erfahrung aus anderen Bereichen nach "nicht entscheidend ist, wer abstimmt - sondern das persönliche Engagement".Extra

Die Mitglieder des ersten Beirates der Menschen mit Behinderungen:Stimmberechtigte Mitglieder: Bürger: Nancy Poser (Leiterin), Barbara Hellinge (stellvertretende Leiterin), Andreas Conrad, Monika Hauser-Benz, Margret Moravec, Daniel Flock, Erwin Laupichler, Sascha Lang, Ulrich Perl, Heike Unterrainer Aus den Fraktionen: Maria Ohlig (SPD), Monika Indig (FDP), Margret Pfeiffer-Erdel (FWG), Gerd Dahm (Bündnis90/Die Grünen), Horst Erasmy (CDU), Linda Andersen (Die Linke), Angelika Birk (Sozialdezernentin) Rein beratende Mitglieder: Angela Kalicki (Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchenkreises Trier und Simmern Trarbach gGmbH), Paul Haubrich (Club Aktiv, Trier), Georg Steuer (Lebenshilfe Trier), Monika Berger (Caritasverband Trier), Hans Werner Meyer (Amt für Soziales und Wohnen, Fachbereich Soziale Hilfen), Franz Bonfig (Stadtverwaltung, Koordinierungsstelle Psychiatrie), Marlene Reusch-Lamazc (Beirat für Migration und Integration)