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Triers Gastronomie nach dem Neustart: Noch ziemlich viel Luft nach oben

Kostenpflichtiger Inhalt: Leere Stühle? : Triers Gastronomie nach dem Neustart - Viel Luft nach oben und viel Hoffnung

Zehn Tage nach dem Gastro-Neustart herrschen gemischte Gefühle in der Branche, doch der Optimismus überwiegt.

Das Touri-Bähnchen Römer-Express fährt wieder, Stadtführer sind im Einsatz, und in der Fußgängerzone herrscht reger Betrieb. Man könnte fast annehmen, das Leben in Trier nähme seinen normalen Lauf – wäre da nicht etwa jeder Zweite mit Mund-Nasen-Bedeckung unterwegs, und wären die Gastro-Bereiche im Freien nicht eingefriedet, oft mit Flatterband.

„Nein, normal ist nichts“, bedauert  Peter Brommenschenkel. Der 64-Jährige ist einer der größten Gastronomen in der Altstadt. Insgesamt 800 Gäste finden in seinen Gaststätten (Wirtshaus Zur Glocke, Pasta Pasta, Pfannkuchenhaus Fun, Oechsle) gleichzeitig Platz – normalerweise. Derzeit wegen des vorgeschriebenen 1,50-Meter-Mindestabstands zwischen den Tischen seien es noch rund die Hälfte. Und die waren in den ersten Tagen nach dem Gastro-Neustart aber überwiegend leer. Tochter und Co-Geschäftsführerin Lisa Brommenschenkel (29) formuliert es vorsichtig: „Die Umsätze waren gemessen am hohen Personalaufwand recht verhalten. Aber jetzt kommen die Gäste in größerer Zahl. Es hat sich herumgesprochen, dass Reservierungen nicht zwingend erforderlich sind. Zu uns kann man, eben weil wir viel Platz auch für getrennte Ein- und Ausgänge  haben, ganz zwanglos und spontan kommen.“ Mit einer Einschränkung: Der Thekenbetrieb im BioGate (Palaststraße) wurde vorübergehend eingestellt. Auf das Speisenangebot muss dennoch niemand verzichten. Es wird nun nebenan im Fun/Pasta Pasta offeriert.

Einen „erfreulichen Aufwärtstrend“ verspürt auch Alexander Brittnacher (41), den der Corona-Shutdown Mitte März besonders hart getroffen hatte. Seine frisch eröffnete Brasserie Zur Sim (vormals Theo) direkt an der Porta Nigra musste er gleich wieder dichtmachen. Neustart war am 15. Mai, nun sagt er: „Es wird von Tag zu Tag besser, da endlich auch wieder Touristen kommen. Biker, Radfahrer – es geht aufwärts.“

Was nicht für den Citybeach gilt. Den Weg zu den Liegestühlen unter Palmen auf der Karstadt-Dachterrasse muss man sich notgedrungen sparen, da der Saisonstart noch nicht einmal in Sicht ist. „Wir hoffen und müssen noch warten, bis die Kontaktbeschränkungen weiter gelockert werden“, sagt Brittnacher; „Nach jetzigem Stand der Dinge ist der Selbstbedienungsbetrieb am Citybeach schwer zu handhaben.“

Hereinspaziert! Anja Gilbers vom Café Zeitspung im Trierer Palastgarten kann Gäste unter Palmen des StadtGrün-Amtes empfangen. Die Palmen des Citybeach auf der Karstadt-Dachterrasse sind vorerst noch nicht zu bewundern. Foto: Roland Morgen
Gastronomen wie Gäste – darauf hoffen und freuen sich alle. Foto: Roland Morgen

Anja Gilbers (47), Betreiberin des Café Zeitsprung (Palastgarten/Landesmuseum), freut sich ebenfalls über steigenden Zuspruch. Sie hadert aber weiterhin – „wie bestimmt die allermeisten meiner Gastro-Kollegen – mit missverständlichen und eher abschreckenden Formulierungen“ in der Corona-Bekämpfungsverordnung Rheinland-Pfalz. „Viele Leute glauben, sie müssten reservieren, selbst wenn sie nur für einen Espresso vorbeikommen wollen. Aber das stimmt ja nicht. Richtig ist, dass niemand direkt zu einem x-beliebigen freien Platz gehen darf, sondern erst mal im Eingangsbereich warten muss. Dort holen wir die Gäste ab und bieten ihnen Tische an, die schon wieder desinfiziert sind.“