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Triers OB rennt bei Nachbarn offene Türen ein

Triers OB rennt bei Nachbarn offene Türen ein

Viele Wege führen nach Trier, alle führen sie durchs Umland. Ob Nahverkehr, Wohnraum oder Freizeitangebot – die Grenzen zwischen Oberzentrum sowie Verbands- und Ortsgemeinden sind fließend. An gemeinsamen Herausforderungen mangelte es also nicht, doch an der nötigen Abstimmung zwischen den Akteuren. Das weiß nicht nur Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der Bürgermeister zu einem „Kamingespräch“ einlud. Die loben unisono die Initiative und erhoffen sich konkrete Ergebnisse.

Wer mit dem Nahverkehr von Trier ins Konzer Tälchen fahren möchte, sollte Zeit mitbringen. Laut Fahrplan dauern die meisten Fahrten deutlich länger als eine Stunde, nur vereinzelt ist man lediglich eine halbe Stunde unterwegs. Ohne Umstieg ist das Ziel nicht zu erreichen, viele Verbindungen verlangen deshalb eine Kombination aus Bus und Bahn. Die Konsequenz: Wer etwa in Konz-Niedermennig lebt, braucht ein Auto und muss dieses mangels Alternative viel bewegen. Der Preis des Landlebens, mag mancher Städter nun einwenden - allein die Landbewohner im Ruwertal sind ungleich besser an Triers Nahverkehr angebunden.

Die Grenzen zwischen Großstadt und Umland sind fließend, weshalb Oberbürgermeister (OB) Wolfram Leibe (SPD) die Initiative für eine intensivere Zusammenarbeit ergriffen hat. Von einer "freundlichen Geste" spricht Bernhard Busch (FDP). Ein "erster Schritt, um Kommunikationshemmnisse zu beseitigen", sei getan, lobt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer.

Trierweilers Ortsbürgermeister Matthias Daleiden (FWG) hofft, dass nun die Zeiten vorbei sind, "wo man seitens der Stadt die Umlandkommunen kaum beachtet oder gar stiefmütterlich behandelt hat".

Zum "Kamingespräch" hatte der OB die Chefs der an Trier grenzenden Orts- und Verbandsgemeinden eingeladen. Offenkundig rannte Leibe bei den Nachbarn offene Türen ein: 18 der 22 Bürgermeister nahmen teil. Im April steht das nächste Treffen an, an dem dann auch Landrat Günther Schartz (CDU) teilnehmen wird.

Zweckverbände und Netzwerk

Dass sich viele Aufgaben nur gemeinsam stemmen lassen, ist keine wirklich neue Erkenntnis. So unterhält Trier seit vielen Jahren mit benachbarten Kommunen Zweckverbände: Mit der VG Schweich betreibt die Stadt das Wasserwerk Kylltal. Am Zweckverband Freibad Ruwertal ist man beteiligt, obwohl das Mertesdorfer Schwimmbad in der VG Ruwer liegt. Dass aus der VG Trier-Land täglich mehr als 1000 Schüler in die Stadt pendeln, zeigt ebenfalls die intensiven Verflechtungen.

Dennoch lässt die Zusammenarbeit bisweilen zu wünschen übrig, meint Wolfgang Reiland (CDU). Der Bürgermeister von Trier-Land wünscht sich eine "frühzeitige Abstimmung von Projekten, bei der gegenseitige Betroffenheit besteht". In der Vergangenheit habe es meist lediglich eine Information gegeben, "nachdem alle Entscheidungen mehr oder weniger schon getroffen waren", kritisiert er.

Zu Triers quasi privilegierten Partnern in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit zählen Konz und Schweich, mit denen Leibes Vorgänger Klaus Jensen (SPD) ein Städtenetzwerk gründete. Nach anfänglichen Erfolgen wie der Schaffung eines Tarifverbunds für alle Schwimmbäder war es zuletzt ruhig geworden um die gemeinsamen Aktivitäten. Nachfrage in Konz: Wann denn die letzte Zusammenkunft gewesen sei? "Die Treffen finden anlassbezogen in unregelmäßigen Abständen statt", antwortet Bürgermeister Karl-Heinz Frieden (CDU), der das Netzwerk als "die Grundlage für entsprechende interkommunale Kooperationen" bezeichnet.

Als Beispiel für eine intensivere Zusammenarbeit nennt Frieden den Öffentlichen Personennahverkehr: "Eine Anbindung aller Stadtteile an das Nahverkehrsnetz ist sicherlich ein Wunsch der Stadt Konz, der bei der anstehenden Fortschreibung des Nahverkehrsplanes zu konkretisieren ist."

Das gleiche Ansinnen kommt aus Kenn: "Ich würde mir eine Stadtbus-Anbindung wünschen", sagt Ortsbürgermeister Rainer Müller. Matthias Daleiden will den "desolaten Zustand der Kreisstraße zwischen Trierweiler und Trier-Euren" ansprechen. Viel Stoff für das zweite Treffen im April in Trierweiler-Sirzenich.
Meinung

Chance ergreifen!1930 drängten etliche Vororte Triers auf eine Eingemeindung, schreibt der spätere Trierer Bürgermeister und Stadthistoriker Emil Zenz in seiner Chronik. Zenz träumte von der "Schaffung eines Groß-Trier von Konz bis Schweich". Heute dürften viele Gemeinden froh sein, ihre Eigenständigkeit bewahrt zu haben. An einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Umland führt dennoch kein Weg vorbei, weshalb es gut ist, dass OB Leibe die Initiative ergriffen hat. Fest steht: Interkommunale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Es lag in der Vergangenheit mitnichten immer nur am Oberzentrum, wenn es mit der Abstimmung schon mal haperte. Auf manchen Gebieten wird man weiterhin im Wettbewerb stehen, doch sollten alle die Chance für eine intensivere Zusammenarbeit ergreifen! Wenn etwa die Stadt Trier die Belastung auf ihren Straßen reduzieren möchte, muss der Nahverkehr ins Umland ausgebaut werden. Im Gegenzug gilt: Wollen Nachbarstädte als Wohnort attraktiv bleiben, sollten sie eine bessere Anbindung ans Stadtbusnetz unterstützen und mögliche Sorgen um Kaufkraftabflüsse hintanstellen. Mit Kirchturmpolitik ist niemandem mehr gedient in einer Zeit, in der Gemarkungsgrenzen für viele kaum noch Bedeutung haben und das Alltagsleben der Menschen nicht am Ortsausgang endet. trier@volksfreund.de