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Triers OB Wolfram Leibe will Zusammenarbeit mit angrenzenden Orts- und Verbandsgemeinden verstärken

Triers OB Wolfram Leibe will Zusammenarbeit mit angrenzenden Orts- und Verbandsgemeinden verstärken

Viele Wege führen nach Trier, und alle führen sie durchs Umland. Ob Nahverkehr oder Freizeitangebot - die Grenzen zwischen Oberzentrum sowie Verbands- und Ortsgemeinden sind fließend. An gemeinsamen Herausforderungen mangelte es also nicht, weiß Triers OB Wolfram Leibe (SPD) und startete eine Initiative für eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit. Seine Amtskollegen in Schweich, Ruwer und Trier-Land begrüßen den Vorstoß und haben konkrete Ideen.

Von einer "freundlichen Geste" spricht Bernhard Busch (FDP), ein "erster Schritt, um Kommunikationshemmnisse zu beseitigen", sei getan, lobt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer. Trierweilers Ortsbürgermeister Matthias Daleiden hofft, dass die Zeiten vorbei sind, "wo man seitens der Stadt die Umlandkommunen kaum beachtet oder gar ‚stiefmütterlich' behandelt hat".

Zum "Kamingespräch" hatte der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe die Chefs der ans Oberzentrum grenzenden Orts- und Verbandsgemeinden geladen - offenkundig rannte Leibe bei den Nachbarn offene Türen ein: 18 der 22 Bürgermeister nahmen teil, im April steht das nächste Treffen an, bei dem auch der Landrat dabei sein wird.

Dass sich viele Aufgaben nur gemeinsam stemmen lassen, ist keine wirklich neue Erkenntnis. So unterhält Trier seit vielen Jahren mit benachbarten Kommunen Zweckverbände: Mit der VG Schweich betreibt die Stadt das Wasserwerk Kylltal; am Zweckverband Freibad Ruwertal ist man beteiligt, obwohl das Mertesdorfer Schwimmbad nicht mehr auf Stadtgebiet liegt.

Dass aus der VG Trier-Land täglich mehr als 1000 Schüler in die Stadt pendeln, belegt ebenfalls die intensiven Verflechtungen. Dennoch lässt die Zusammenarbeit bisweilen zu wünschen übrig, sagt Wolfgang Reiland (CDU), der von einem ersten "sehr konstruktiven und offenen Gespräch" berichtet. Der VG-Bürgermeister von Trier-Land wünscht sich eine "frühzeitige Abstimmung von Projekten, bei der gegenseitige Betroffenheit besteht." In der Vergangenheit habe es meist nur eine Information gegeben, "nachdem alle Entscheidungen mehr oder weniger schon getroffen waren".

Aufgaben gibt es genug

Zu Triers quasi privilegierten Partnern in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit zählen Schweich und Konz, mit denen Leibes Vorgänger Klaus Jensen (SPD) ein Städtenetzwerk gründete. Nach anfänglichen Erfolgen wie der Schaffung eines Tarifverbunds für alle Schwimmbäder und der Verlängerung der Stadtwerke-Buslinie 8/87 nach Schweich war es zuletzt ruhig geworden um die gemeinsamen Aktivitäten.

Triers frühere Wirtschaftsdezernentin und heutige Schweicher VG-Bürgermeisterin Christiane Horsch (CDU), die am ersten Treffen nicht teilnehmen konnte, ist überzeugt, dass die gemeinsamen Aufgaben nicht ausgehen werden. Sie verweist auf den geplanten Neubau der Trevererschule in Schweich, wo auf demselben Areal auch eine neue Grundschule errichtet wird.

In einigen Jahren werden Schüler und Lehrer der Trevererschule von Trier moselabwärts ziehen, und anders als am jetzigen Standort werden sie dort eine Sporthalle sowie ausreichend Fach- und Pflegeräume vorfinden. Fast hat es den Anschein, als wollte Horsch bestehende Gebietsgrenzen auflösen. So wünscht sie sich die Schaffung einer gemeinsamen Wirtschaftsfördergesellschaft für Trier und den Landkreis Trier-Saarburg. "Hier könnten sich Einsparpotenziale für beide ergeben, da die Beratung für Unternehmen nicht anders aussieht, ob sie nun im Landkreis oder in der Stadt angesiedelt werden."

Potenzial sieht Horsch auch bei der Entwicklung von Baugebieten an der Grenze zur Großstadt: Hier sollten die erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen abgestimmt werden. Der künftige Umgang mit Klärschlämmen aus Wasserwerken zähle ebenfalls zu den gemeinsamen Herausforderungen, weshalb Horsch und Kollege Busch auch hierbei auf eine interkommunale Lösung setzen, um so schärferen Grenzwerten gerecht werden zu können.

Unterdessen träumt man in Kenn von dem, was die Gemeinden im unteren Ruwertal und Schweich schon vorweisen können: "Ich würde mir eine Stadtbus-Anbindung wünschen", sagt Ortsbürgermeister Rainer Müller (CDU). Genug Stoff für das zweite Treffen im April in Trierweiler-Sirzenich dürfte es also geben.
Meinung

Chance ergreifen!1930 drängten etliche Vororte Triers auf eine Eingemeindung, schreibt der spätere Trierer Bürgermeister und Stadthistoriker Emil Zenz in seiner Chronik. Zenz träumte von der "Schaffung eines Groß-Trier von Konz bis Schweich". Heute dürften viele Gemeinden froh sein, ihre Eigenständigkeit bewahrt zu haben. An einer engen Zusammenarbeit zwischen Stadt und Umland führt dennoch kein Weg vorbei, weshalb es gut ist, dass OB Leibe die Initiative ergriffen hat. Fest steht: Interkommunale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Es lag in der Vergangenheit mitnichten immer nur am Oberzentrum, wenn es mit der Abstimmung schon mal haperte. Auf manchen Gebieten wird man weiterhin im Wettbewerb stehen, doch sollten alle die Chance für eine intensivere Zusammenarbeit ergreifen! Wenn etwa die Stadt Trier die Belastung auf ihren Straßen reduzieren möchte, muss der Nahverkehr ins Umland ausgebaut werden. Im Gegenzug gilt: Wollen Nachbarstädte als Wohnort attraktiv bleiben, sollten sie eine bessere Anbindung ans Stadtbusnetz unterstützen und mögliche Sorgen um Kaufkraftabflüsse hintanstellen. Mit Kirchturmpolitik ist niemandem mehr gedient in einer Zeit, in der Gemarkungsgrenzen für viele kaum noch Bedeutung haben und das Alltagsleben der Menschen nicht am Ortsausgang endet. trier@volksfreund.de