Triers Touri-Bahn 2020: Römer-Express kontra Römerstrom-Express

Kostenpflichtiger Inhalt: Trier-Tourismus : Römer-Express kontra Römerstrom-Express - Wer betreibt Triers Touri-Bahn 2020?

Noch ist nicht entschieden, wer ab Mai 2020 eine Touri-Bahn in Trier betreiben darf. Der bisherige Konzessionsinhaber geht in die Offensive und stellt am Samstag seine erste auf Elektroantrieb umgerüstete Zugmaschine vor. Die Stadtwerke setzen auf vollelektrisches Angebot.

Römer-Express oder Römerstrom-Express? Das ist hier die Frage. Geht es nach den Stadtwerken Trier (SWT), dann wird die Touristenbahn ab der kommenden Saison unter ihrer Flagge fahren. „Selbstverständlich ein komplett neues Produkt und selbstverständlich elektrisch betrieben“, betont SWT-Verkehrschef Michael Schröder (49).

Der Name liege auf der Hand: Römerstrom-Express signalisiert deutlich, dass die SWT dahinterstecken, die ja ihren Ökostrom unter dem werbewirksamen Label „Römerstrom“ vertreiben. Zudem knüpft er an den Namen der Bahn an, die seit 25 Jahren ihre Runden durch die älteste Stadt Deutschlands dreht: Römer-Express. Aber geht es nach dessen Betreiber Georg von Kowalkowski (57), dann wird seine Bahn auch weiterhin durch Trier kurven.

Beide – SWT und von Kowalkowski – haben beim zuständigen Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Konzession für den Betrieb ab 1. Mai 2020 beantragt. Wer nun tatsächlich fahren darf, sollte bereits vor Wochen feststehen, doch eine Entscheidung steht noch aus.

Die Gemengelage ist kompliziert. Der LBM geht davon aus, dass lediglich der SWT-Antrag genehmigungsfähig ist. Dennoch wurde die Entscheidungsfrist bis zum 31. Oktober verlängert. Bis dahin müssen die SWT noch Firmenunterlagen vorlegen, die laut LBM „zulässigerweise nachgereicht werden können“.

Von Kowalkowski will sich nicht damit abfinden, dass er – Stand jetzt – aus dem Rennen ist und hält seinerseits den SWT-Antrag für nicht genehmigungsfähig. Weil der LBM seinen Widerspruch zurückgewiesen hat, will der 57-Jährige, der auch den Gutenberg-Express in Mainz betreibt, nun Klage vor dem Verwaltungsgericht einreichen.

Und als Zeichen, dass er sich „nicht geschlagen“ gibt, organisiert er für kommenden Samstag (14. September) einen großen Bahnhof: Im Rahmen eines Sektempfangs um 10 Uhr an der Römer-Express-Station in der Simeonstraße präsentiert er seine erste auf Elektroantrieb umgerüstete Wegebahn.

SWT-Verkehrschef Michael Schröder glaubt dennoch, dass sein Unternehmen die besseren Karten hat und stellt bereits in Aussicht, dass am 1. Mai 2020 eine neue Ära in Sachen Touristenbahn in Trier anbricht. Rund 1,8 Millionen Euro wollen die Stadtwerke ins Projekt Römerstrom-Express investieren. Größter Ausgabeposten: die Anschaffung von drei vollelektrischen Bahnen („zwei im Einsatz, eine als Reserve“) mit jeweils zwei barrierefreien Anhängern, von denen jeder Platz für rund 25 Fahrgäste bietet.

Bei gleichem Fahrpreis wie jetzt (Erwachsenenticket: neun Euro) werde die Fahrstrecke länger und auch das Amphitheater mit einbeziehen und „deutlich mehr Komfort geboten“.

Fürs Inhaltliche und die Vermarktung haben sich die Stadtwerke die Trier Tourismus und Marketing GmbH als Partner mit ins Boot geholt. Laut TTM-Geschäftsführer Norbert Käthler (54) sollen die Informationen zu den Sehenswürdigkeiten unterwegs „wissenschaftlich fundiert, professionell eingesprochen und in sechs wählbaren Sprachen“ aus Richtlautsprechern erklingen, „und das tatsächlich an den entsprechenden Stellen“. Kritik an dem bisher dreisprachigen Angebot vom Band? „Nein“, sagt Käthler. „Zum derzeitigen Angebot äußere ich mich nicht öffentlich. Aber mit Herrn von Kowalkowski habe ich darüber gesprochen. Er kennt meine Meinung.“

Vielleicht ist der Tourismuschef deshalb zur Präsentation Samstag nicht eingeladen.

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