Triers Traum von der Westtrasse - Personenbahn ist wieder ein Thema

Triers Traum von der Westtrasse - Personenbahn ist wieder ein Thema

Die Personenbahn durch den Trierer Westen ist nach langem Winterschlaf wieder ein Thema. Der Koalitionsausschuss in Mainz hat 19 Millionen Euro für die Westtrasse mit fünf Haltepunkten zugesagt, der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster hat das Projekt für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet.

Trier. 30 Jahre nach dem Ende des Personenverkehrs auf dem Gleisabschnitt zwischen Ehrang und Luxemburg will Rot-Grün in Mainz die Westtrasse wiederbeleben. Wo seit 1983 nur noch Güterzüge fahren, sollen in einigen Jahren wieder Passagiere ein- und aussteigen können, und zwar an fünf Haltepunkten: Biewer, Pallien, Trier-West/Euren, Messepark und Zewen. Darauf hat sich der Koalitionsausschuss geeinigt (der TV berichtete).
Doch der ersten Freude in Trier folgt verständlicherweise die Frage, wann es denn so weit sein wird. Pläne für die Westtrasse liegen in Trier seit mehr als zehn Jahren auf Eis. Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen signalisiert zunächst klare Zustimmung: "Die Verwaltung begrüßt ausdrücklich diese für die Region so wichtige Entscheidung." Christiane Horsch, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Schweich, sieht die Lage eher kritisch. "Ich begrüße das Projekt, allein mir fehlt der Glaube, dass es zeitnah umgesetzt werden kann." Außerdem seien die Kosten eine noch völlig unbekannte Größe. Horsch: "Wir haben schon damals mit dem Haltepunkt Ehrang die Erfahrung gemacht, dass der Bau viel länger gedauert hat und teurer war als geplant." Damit hat sie Recht: Der Haltepunkt war um die Jahrtausendwende für 3,5 Millionen D-Mark geplant und stieg am Ende auf 7,4 Millionen D-Mark.
Wie geht es weiter mit der Westtrasse? Niemand hat fertige Pläne, Konzepte oder Kostenrechnungen. "Der Koalitionsausschuss hat die politische Richtung vorgegeben", sagt Christian Gehring, Sprecher des Innenministeriums. "Die Umsetzung dieser Richtung in konkrete Projekte ist die Aufgabe unseres Ministeriums. Doch das kann noch eine ganze Weile dauern."
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster meldet, er habe die Westtrasse für den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 angemeldet. "Ich begrüße zwar die Absichtserklärung der Landesregierung, aber ich will mich nicht auf sie verlassen", sagt der Vorsitzende der CDU Trier.
Bundestagsabgeordnete können Schienenneubauprojekte aus ihren Wahlkreisen für den Bundesverkehrswegeplan anmelden - im Gegensatz zu Straßenbauprojekten, deren Anmeldung das Vorrecht der Landesregierung ist. Parallel zur Wiederbelebung der Westtrasse hat der Koalitionsausschuss beschlossen, die in Trier lange diskutierte und auch umstrittene West- und Nordumfahrung nicht anzumelden.Extra

Ein Regionalbahnkonzept gibt es in Trier schon seit Jahrzehnten. In den 1990ern war eine neue Bahnlinie bereits ein sehr heißes Thema innerhalb dieses Konzepts: Moderne Triebwagen sollten im Taktverkehr viele neue Haltepunkte erreichen. Deren Netz reichte von Trier-Nord und Kürenz bis zu den Kaiserthermen, St. Matthias, dem Messepark, Trier-West, dem Mäusheckerweg, Zewen, Biewer und Pallien. Gebaut wurde jedoch nur der Haltepunkt Ehrang, und dieser wurde zu einer finanziellen Katastrophe mit einer Kostenexplosion von 3,5 auf 7,4 Millionen D-Mark. Danach legte der Stadtrat den geplanten Bau eines Haltepunkts Mäusheckerweg auf Eis, und es wurde politisch still um das Regionalbahnkonzept. Im Juni 2011 endete diese Stille mit einem Antrag der SPD im Stadtrat: Die Sozialdemokraten forderten den beschleunigten Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur in Trier als Baustein eines regionalen Verkehrskonzepts und konkret die schnelle Realisierung der Haltepunkte Mäusheckerweg und Messepark. Der Rat beauftragte OB Klaus Jensen, mit Mainz zu verhandeln. jp

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