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Triers umstrittenste Baustelle: „Wohnen am Mattheiser Weiher“ ist trotz vieler Beschwerden und einer Klage gestartet

Triers umstrittenste Baustelle: „Wohnen am Mattheiser Weiher“ ist trotz vieler Beschwerden und einer Klage gestartet

Die Projektgesellschaft P2 mbH will in Heiligkreuz zwölf Häuser auf dem Gelände der ehemaligen Christuskirche errichten. 150 Anwohner haben Beschwerden eingereicht – und vor Gericht läuft eine Klage. Gebaut wird trotzdem.


Die zur Eifel-Haus-Gruppe gehörende P2 mbH will in Heiligkreuz vier Mehrfamilienhäuser mit 42 Wohnungen und acht Einfamilienhäuser bauen. Das fast 6000 Quadratmeter große Areal in der Trevererstraße gehörte früher der evangelischen Kirche. Daran erinnert heute nur noch der Glockenturm der ehemaligen Christuskirche, der nicht abgerissen wird, sondern vier Studioappartements bis zu 25 Quadratmetern Platz bieten soll.

"Wohnen am Mattheiser Weiher" - so lautet der Name des Projekts. Die oberen Stockwerke werden nach dem Abschluss aller Bauarbeiten - geplant für Ende 2018 - einen Blick auf den Mattheiser Weiher bieten. Zweifellos ein starker Anreiz für potenzielle Käufer. Doch für die direkten Nachbarn sind offenbar gerade die höheren Etagen das Hauptproblem.

150 Anwohner der Trevererstraße und der umliegenden Straßen haben sich bereits im Vorfeld des Projekts bei der Stadtverwaltung beschwert - sie machen sich Sorgen um die Dichte der Bebauung und vor allem die Höhe der Häuser, die eine komplette Etage mehr habe sollen als die übrigen Häuser der Trevererstraße.
Trotz dieser Beschwerden stimmte eine Ratsmehrheit aus CDU, SPD, FDP und der Linken dem Bebauungsplan für das ehemalige Kirchengelände in Heiligkreuz im Juli 2016 zu.

Auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) und Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) stehen laut eigener Aussage hinter dem Wohnprojekt. Dezernent Ludwig bestätigt, dass eine Klage gegen das Projekt vorliegt. Es handelt sich um eine sogenannte Normenkontrollklage, in der die Rechtmäßigkeit des Bebauungsplans bezweifelt wird und vor Gericht überprüft werden soll. Eine solche Klage ist kein Baustopp - auch während ihrer Klärung dürfen die Bagger rollen.

Sowohl der Baudezernent als auch Hermann Schmitz, Geschäftsführer der Projektgesellschaft P2, sind davon überzeugt, dass der Bebauungsplan völlig in Ordnung ist und die Klage keine Fehler oder Unrechtmäßigkeiten aufdecken wird. "Es ist ein schwieriges Verfahren", räumt Ludwig ein. "Die Menschen befürchten, das Projekt werde zu groß und mächtig. Aber wir haben im Bebauungsplanverfahren alle relevanten Punkte berücksichtigt. Es gibt keine inhaltlichen oder formalen Mängel." Geschäftsführer Schmitz betont: "Wir haben ein reines Gewissen."

"Wohnen am Mattheiser Weiher" kommt offensichtlich an. 60 Prozent des Angebots waren nach Angaben des P2-Geschäftsführers bereits verkauft, als der offizielle Startschuss der Bauarbeiten am Mittwoch fiel (der TV berichtete). Die Miniwohnungen im Turm gehören noch nicht dazu. "Hier werden wir in den nächsten Tagen konkrete Preise nennen können."

Aktuell arbeiten die Firmen Wacht (Konz-Könen) und Wey (Rivenich) an der Baugrube. Der Rohbau soll Mitte oder Ende März beginnen. Die Größe der Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern reicht von 55 bis 160 Quadratmeter.
Bietet dieses Wohnbauprojekt auch die 2015 vom Stadtrat festgelegten 25 Prozent an Sozialwohnungen? Nein. "Wohnen am Mattheiser Weiher" ist eine Ausnahme, die von dem Ziel der Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Mittel- und Geringverdiener nicht berührt wird - das bestätigen Dezernent Ludwig und Geschäftsführer Schmitz. Eine solche Vereinbarung lässt das Baurecht offenbar zu.

Das war der Deal zwischen Stadt und Gesellschaft: Die Projektgesellschaft muss die Quote von 25 Prozent nicht erfüllen und bietet der Stadt dafür 14 Wohnungen in sanierten Gebäuden an der Aachener Straße an, die Trier zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzt. "Das darf nicht der Regelfall werden", sagt Ludwig.

Der Kommentar: Bitte nicht vor meiner Tür
Von Jörg Pistorius

Eine Großbaustelle vor der eigenen Terrasse ist selbstverständlich eine Belastung. Rollende Bagger, ratternde Bohrer, Staub und Schlamm auf der Straße - viele Menschen reagieren auf diese Situation nicht mit Pragmatismus, sondern mit Emotionen. Das Ergebnis ist ein im öffentlichen Leben immer wieder auftauchender Grundsatz: Klar brauchen wir attraktiven Wohnraum in Trier. Aber doch bitte nicht direkt vor meiner Tür.
Das kann natürlich nicht funktionieren. Trier braucht in der Tat Wohnraum und kommt deshalb an Baggern und Baustellen nicht vorbei. "Wohnen am Mattheiser Weiher" ist offensichtlich ein attraktives und gefragtes Projekt. Die Nachbarn in Heiligkreuz müssen die Bauarbeiten in Kauf nehmen, so unangenehm diese auch sein mögen.
Die Vereinbarung zwischen Stadt und Projektgesellschaft, auf die 25-Prozent-Quote der Sozialwohnungen zu verzichten, ist zwar kein illegaler Trick. Aber dennoch weckt dieser Deal Zweifel an den Chancen der Stadt Trier, derart konsequent auf einen Bauträger und Investor einwirken zu können, dass er diese Quote erfüllt. Ein Investor will erfolgreich entwickeln und vermarkten - das ist völlig o.K. Wenn die Stadt eine Quote von 25 Prozent haben will, muss sie die Rahmenbedingungen schaffen. Denn sonst ist diese Quote nur ein Lippenbekenntnis.
j.pistorius@volksfreund.de