Triers zweite Schleusenkammer erstmals geflutet

Kostenpflichtiger Inhalt: Großprojekt : Neue Schleusenkammer erstmals geflutet

Ein wichtiger Meilenstein von Triers größter und teuerster Baustelle ist erreicht. In die Schleuse wurden mehrere Millionen Liter Moselwasser geleitet. Hält das 80-Millionen-Euro-Projekt nun auch dicht?

„Sie hält einigermaßen dicht“, sagt ein Arbeiter zu Raymund Mertes vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn. „Gut“, antwortet er kurz. Es ist kein hochoffizieller Termin, und alles geht heute recht locker zu. Dabei ist die Flutung von Triers zweiter Schleusenkammer durchaus ein spektakuläres Ereignis. Millionen Liter Wasser strömen innerhalb von zwei Stunden in die neue Schleusenkammer in Trier. Ein Meilenstein für das bis zu 80 Millionen Euro teure Großprojekt in der Mosel.

Um Punkt 10 Uhr lässt Mertes das rund 60 Tonnen schwere hydraulische Drehsegmenttor einen Spalt weit öffnen. Die Massen brechen wasserfallartig in den langen Betonkanal herein.

Seit Baubeginn vor mehr als  fünf Jahren wird das 210 Meter lange, 12,50 Meter breite und 9 Meter tiefe Bauwerk nun erstmals richtig nass. Doch bis Schiffe in die Kammer fahren und mit Ein- oder Ablass von Wasser nach oben oder unten befördert werden, wird noch etwas Zeit vergehen. Die Inbetriebnahme ist erst fürs Frühjahr 2020 geplant.

Hier wird die Trierer Schleuse erstmals geflutet

Zehn Staustufen zwischen Trier und Koblenz werden seit 2002 mit einer zweiten Schleusenkammer ausgestattet. Die Staustufen in Zeltingen-Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) und Bruttig-Fankel (Kreis Cochem-Zell) waren die ersten, deren Zweitkammern in den Jahren 2010 und 2014 fertig wurden.

Raymund Mertes nennt zwei Gründe für die Erweiterungen an der Mosel: „Zum einen sind die Moselschleusen mittlerweile 55 Jahre alt. Bei einer Lebenserwartung von rund 80 Jahren müssen die alten Bauwerke künftig einmal monatelang wegen Instandsetzungsmaßnahmen gesperrt werden.“ Schon jetzt müsse der Verkehr auf der Mosel bereits für einige Tage im Jahr wegen Wartungsarbeiten ausfallen. Um Vollausfälle der Moselschifffahrt in Zukunft zu verhindern, werde daher mit Zweitkammern vorgesorgt. „Zum anderen können mit zwei gleichzeitig betriebenen Schleusen Wartezeiten auf dem Fluss verkürzt werden.“

Der Bau der nächsten Schleusenkammer in Lehmen (Kreis Mayen-Koblenz) soll Ende 2020 starten. Danach erhält Wintrich (Kreis Bernkastel-Wittlich) eine weitere Kammer, für die derzeit das Planfeststellungsverfahren läuft.

Seitdem die Saar 1987 für die Großschifffahrt freigegeben wurde, wird die Kapazitätsgrenze der Moselschleusen von 10 Millionen Gütertonnen jährlich mit nun durchschnittlich 14 Millionen Gütertonnen weit überschritten. Prognosen für das Jahr 2025 sagen einen weiteren Zuwachs von rund drei Millionen Gütertonnen voraus. Daher wurden in der Vergangenheit Stimmen laut, die den Ausbau als zu langsam kritisierten.

2016 legte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Standards für Schleusen fest, welche laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion „die Beschleunigung der Planungsprozesse und die Reduzierung der Bau- und Beschaffungskosten bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität“ zum Ziel hatten.

Mit der Kammer in Lehmen werden diese Standards erstmalig angewandt und auch für die weiteren Schleusen in Detzem (Kreis Trier-Saarburg), Wintrich, Enkirch (Kreis Bernkastel-Wittlich), St. Aldegund, Müden (beide Kreis Cochem-Zell) und Koblenz verwendet.

Bis 2030 sollen dem aktuellen Bundesverkehrswegeplan zufolge alle Schleusen mit einer Zweitkammer ausgestattet sein. Zuletzt soll die kleinere der beiden Koblenzer Kammern durch eine größere ersetzt werden.

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