Trierweiler macht Weg für Riesenwindräder frei

Trierweiler macht Weg für Riesenwindräder frei

Der Gemeinderat Trierweiler hat mehrheitlich beschlossen, den Bebauungsplan "Windpark Hungerberg" aufzuheben. Damit ist der erste Schritt zum Bau neuer Riesenwindmühlen der zweiten Generation getan. Nach dem Ratsbeschluss wird zunächst ein Aufhebungsverfahren für den Bebauungsplan eingeleitet.

Trierweiler. Auf der Anhöhe Hungerberg zwischen Neuhaus und Udelfangen könnten sich bald bis zu 180 Meter hohe Riesenwindräder drehen. Noch beschränkt dort ein Bebauungsplan die Maximalhöhe der Anlagen auf 100 Meter. Von den heute dort installierten vier Windkraftanlagen sind zwei veraltet - eine der Maschinen gleicht eher einem technischen Museumsstück. Seit einigen Jahren plant die Betreiberfirma "Windstrom Trierweiler GbR" daher, die beiden Anlagen durch drei bis zu 180 Meter hohe Riesenwindmühlen der neuesten Generation zu ersetzen.
Dies verhindert bisher der Bebauungsplan "Windpark Hungerberg", den die Gemeinde Trierweiler in den 90er Jahren ausgestellt hatte und der die Maximalhöhe auf 100 Meter festschreibt. Inzwischen steht dieser Bebauungsplan aber rechtlich infrage. Im Januar 2011 hatte das Oberverwaltungsgericht in einem ähnlichen Fall den einschränkenden Bebauungsplan für ein ausgewiesenes Windkraft-Sondergebiet für nichtig erklärt. Eine Beschränkung auf Zahl und Höhe der Anlagen ist seither in ausgewiesenen Windkraft-Sondergebieten wie dem Hungerberg anfechtbar - und das mit Aussicht auf Erfolg.
Mit der Begründung, einen teuren wie aussichtslosen Rechtsstreit von der Gemeinde Trierweiler abzuwenden, hatte Ortsbürgermeister Matthias Daleiden im April dieses Jahres ein Aufhebungsverfahren für den Bebauungsplan vorgeschlagen und dafür eine Mehrheit im Rat gefunden. Dieser Beschluss wurde zunächst für nichtig erklärt, weil ein als befangen geltendes Ratsmitglied sich nicht vom Sitzungstisch entfernt hatte.
Unterdessen machten Ortsbeirat und Bewohner des Ortsteils Udelfangen gegen die beabsichtigte Aufhebung des Bebauungsplans mobil. Udelfangen ist nächster Anrainer des Hungerbergs und des Windparks und wehrt sich gegen mehr und noch größere Windmühlen.
Als dann der Beschluss Anfang August im Rat wiederholt werden sollte, vertagte Ortsbürgermeister Daleiden die Entscheidung - erst sollte mit Blick auf die Udelfanger Proteste ein schriftliches Rechtsgutachten über die Haltbarkeit des Bebauungsplans "Windkraft Hungerberg" eingeholt werden. Daleiden damals: "Wir müssen schwarz auf weiß darlegen können, dass ein Festhalten an diesem Bebauungsplan sinnlos ist und nur zu einem kostspieligen Rechtsstreit führt."
In der jüngsten Ratssitzung in Trierweiler lag das Gutachten des beauftragten Rechtsanwalts Paul Henseler vor, doch die einst zahlreichen Protestler aus Udelfangen fehlten. Offenbar hatten sie geahnt, was kommen würde: Der Anwalt gibt in seinem Rechtsgutachten dem Bebauungsplan "Windpark Hungerberg" keine Chance. In Vertretung von Bürgermeister Wolfgang Reiland schlug Alfred Dewald von der Verbandsgemeinde dem Rat vor, einem Aufhebungsverfahren zuzustimmen und damit die Weichen für neue Windmaschinen zu stellen.
Angesichts des brisanten Themas ließ Ortsbürgermeister Daleiden geheim abstimmen. Das Ergebnis: Acht Jastimmen, viermal Nein und zwei Enthaltungen. Das Aufhebungsverfahren des Bebauungsplans "Windpark Hungerberg kann eingeleitet werden.
Meinung

Noch kein Schlussgong
Die Udelfanger waren der Beerdigung ihrer letzten Hoffnung ferngeblieben. Sie werden früher oder später mit neuen Riesenwindmühlen in ihrer Nachbarschaft leben müssen. Doch der Widerstand ist noch nicht ganz erloschen. Die streitbare Gruppe um die Windkraftgegnerin Helma Diewald hat bereits rechtliche Schritte im Rahmen des nun beschlossenen Aufhebungsverfahrens angekündigt. Die Erfolgsaussichten sind fraglich - doch im Falle eines langwierigen Rechtsstreits könnte es sehr lange dauern, bis sich einmal neue Windmühlen auf dem Hungerberg drehen. Der Gong zur letzten Runde ist auf der Trierweilerer Höhe noch nicht erklungen. f.knopp@volksfreund.de

Extra

Auf der Gemarkung Gusterath (Verbandsgemeinde Ruwer) drehen sich derzeit fünf ältere Windräder. Bisher regelt der in den 90er Jahren von der Gemeinde Gusterath aufgestellte Bebauungsplan "Sondergebiet Windenergienutzung" Anzahl und Größe der Rotormasten. Zugelassen sind fünf Anlagen mit einer Höhe von maximal 80 Metern. Inzwischen hat der Gusterather Gemeinderat einstimmig beschlossen, den Bebauungsplan aufzuheben (TV vom 9. September). Grund: Mehrere Investoren sind an der Fläche interessiert - sie wollen dort 150 Meter hohe Windkraftriesen der neuen Generation errichten. Proteste aus der Bevölkerung gab es nicht, denn anders als in Trierweiler fühlt sich in Gusterath niemand durch den Windpark gestört.