Trio mit Tradition

Bundesweit ziehen traditionell Anfang Januar die Sternsinger von Haus zu Haus. Sie bringen Segen und sammeln Spenden für Kinder in Not. Auch in Mertesdorf hat das Dreikönigssingen eine lange Tradition. Initiatorin der ersten Drei-Königsaktion, die in Mertesdorf 1965 stattgefunden hat, war die damalige Volksschullehrerin Bärbel Burg. Bis heute ist sie mit dabei.

Mertesdorf. "In Mertesdorf haben wir das nie nur mit den Messdienern gemacht", sagt Bärbel Burg (73). "Bei uns sind von Anfang an die Schulkinder von Haus zu Haus gezogen." 1964 habe eine Studienkollegin ihr vom Dreikönigssingen in ihrem Wohnort erzählt, berichtet die ehemalige Volksschullehrerin heute. "Das hat mir so gut gefallen, dass ich das gleich im Folgejahr mit meinen Zweitklässlern umgesetzt habe", erzählt sie.
Dass das Sternsingen bereits zu diesem Zeitpunkt eine offizielle Aktion des Kindermissionswerks Aachen war, habe sie erst einige Jahre später erfahren, sagt sie. "Irgendwann hat das Kindermissionswerk damit propagiert, allen voran in den Pfarrgemeinden. Daher ziehen in den meisten Orten wohl auch die Messdiener durch den Ort", vermutet sie.
200 DM, aber keine Süßigkeiten


"Für unser erstes Sternsingen hatte mein Mann einen Stern zusammengebaut und ihn mit einer dicken Kerze bestückt, damit wir abends, im Dunkeln, losziehen konnten. Als Stab diente eine Gardinenstange. Drei Schulkinder wurden verkleidet, alle anderen Zweitklässler sind als kleine Sänger mitgelaufen", erzählt sie weiter. "Ich weiß noch genau, wie stolz wir auf die 200 Deutsche Mark waren, die bei dieser ersten Sternsingeraktion hier im Ort zusammenkamen. Besonders gefreut hatten wir uns über die vier Fünf-Mark-Stücke, die dabei waren. Süßigkeiten für die Kinder hat es damals noch nicht gegeben", sagt sie lachend. "Das in Mertesdorf gesammelte Geld habe ich in den ersten Jahren immer nach Afrika gespendet. Der offiziellen Bewegung Dreikönigssingen habe ich mich erst angeschlossen, als ich über die Pfarrgemeinde davon erfahren habe."
Auch wenn Bärbel Burg, die vor 50 Jahren den Grundstein für das Sternsingen in Mertesdorf gelegt hat, die Leitung mittlerweile an Ehrentraud Barbian und ihr Team weitergegeben hat, ist sie dennoch bis heute immer irgendwie mit von der Partie. "Mittlerweile kümmern sich sicherlich 15 Erwachsene Jahr für Jahr um einen reibungslosen Ablauf", erzählt sie. "Es hat sich ja einiges verändert seit 1965. Der Ort ist größer geworden, so dass wir in mehreren Gruppen gehen."
Die 45 bis 60 Sternsinger werden begleitet und größtenteils kostümiert. Dafür müssen Kreide, Aufkleber, Kostüme und Sterne besorgt werden. "Außerdem servieren fleißige Helfer den Sternsingern nach getaner Arbeit im Pfarrheim heiße Getränke, eine warme Suppe und sogar Waffeln", berichtet Bärbel Burg. Besonders stolz ist sie aber nicht nur darauf, dass aus der von ihr angestoßenen Ein-Frau-Aktion über die Jahre eine von vielen Erwachsenen getragene Gemeinschaftsaktion geworden ist. "Noch nie hat jemand Geld für seinen Einsatz verlangt", sagt sie. "Bis heute haben die Kinder hier in Mertesdorf weit mehr als 50 000 Euro gesammelt, die ersten Jahre nicht mitgerechnet. Das alles wäre nie ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer und den stets freundlichen Empfang an den Mertesdorfer Haustüren möglich gewesen."
Extra

Die Mertesdorfer Sternsinger werden am Sonntag, 11. Januar, nach einem Familiengottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin gegen 10 Uhr ausgesandt. Bis heute sagen sie in jedem Jahr an jeder Haustür den Spruch auf, den Bärbel Burg vor 50 Jahren in einem Lesebuch für Schulkinder entdeckt hat: "Wir wünschen euch ein fröhlich Neujahr, Gott halte fern von euch alle Gefahr. Wir wünschen euch immer einen gedeckten Tisch, Brot und Salz, Braten und Fisch. Wir wünschen euch zu allermeist, es segne euch Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist." anf