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Trotz monatelanger Sperre: Nur Flickwerk in Olewig

Trotz monatelanger Sperre: Nur Flickwerk in Olewig

Die marode Natursteinmauer entlang des Weinbergs in der Olewiger Straße wird durch eine Betonverschalung ersetzt. Zunächst allerdings nur teilweise: Denn rund 130 Meter der Mauer gehören zwei privaten Besitzern, die sich bislang an der Baumaßnahme des Landes nicht beteiligen.

Am Montag, 12. August, werden Absperrungen und Ampeln angeliefert, ab Dienstag um 8 Uhr ist die Baustelle "scharf geschaltet": Die Bergabspur der Olewiger Straße ist ab Beginn der Natursteinmauer auf Höhe der Zufahrt in den Tiergarten auf 60 Meter halbseitig gesperrt. Der Verkehr wird einspurig per Ampel vorbeigeleitet. Grund ist die Sanierung der maroden Mauer, die den darüberliegenden Weinberg abstützt (der TV berichtete)."Die Sanierung dieses ersten Mauerabschnitts wird rund vier Wochen dauern", erklärt Hermann Steffgen, Projektleiter beim Trierer Landesbetrieb Bau. Der LBB ist zuständig, weil der größte Teil des Weinbergs - und auch das dazugehörige Mauerstück - zur staatlichen Weinbaudomäne gehört.

Allerdings besitzt das Land nicht den kompletten Weinberg. Weiter unten haben ein ehemaliger Winzer aus Olewig und die gemeinnützige Stiftung Vereinigte Hospitien ebenfalls Lagen - und sind an diesen Stellen für die Mauersanierung verantwortlich.
Dass die rund 130 Meter Mauer entlang der Privatgrundstücke im Rahmen der LBB-Bauarbeiten, die heute begonnen haben, miterneuert werden, ist allerdings nicht vorgesehen. "Wir haben beiden Privatbesitzern frühzeitig angeboten, ihre Mauerabschnitte mitzusanieren, aber daraus ist nichts geworden", erklärt LBB-Pressesprecher Markus Ramp auf TV-Nachfrage.

Nach TV-Informationen hatte der ehemalige Winzer, der mittlerweile im Altenheim lebt und von einem gesetzlichen Betreuer vertreten wird, dem LBB keine Rückmeldung gegeben. Die Vereinigten Hospitien haben eine Zusammenarbeit mit dem LBB abgelehnt. Warum sie sich der Baustelle nicht anschließen wollen, ließ sich bislang nicht erfahren: Stiftungsdirektor Hubert Schnabel ist noch bis nächste Woche im Urlaub, jemand anderes sei nicht auskunftsberechtigt in dieser Angelegenheit, hieß es seitens der Stiftung auf TV-Nachfrage.
Die künftige Mauer wird daher ein Flickwerk sein: Von Olewig aus gesehen saniert der LBB die ersten 230 Mauermeter, dann bleibt auf 130 Metern die alte Privatmauer stehen, die letzten 110 Meter werden dann wieder vom LBB saniert.

Die Stadtverwaltung hat vor Monaten mit den beiden Privatbesitzern Kontakt aufgenommen. "Schließlich ist die Mauer so marode, dass von ihr Gefahr ausgeht, sie muss daher saniert werden", erklärt der städtische Pressesprecher Hans-Günther Lanfer. Geklärt ist die Sache allerdings nicht: "Wir versuchen, auf beide Privatbesitzer hinzuwirken, dass sie die Mauer im Rahmen der jetzigen Baumaßnahme miterneuern lassen", sagt Lanfer.
Doch das wäre wohl gar nicht so einfach möglich: "Die Baustelle ist fertig geplant, kurzfristig 130 Meter Mauer zusätzlich aufzunehmen ist zumindest innerhalb des geplanten Zeitrahmens nicht möglich", sagt LBB-Projektleiter Steffgen. Dauern sollen die Arbeiten bislang bis Ende November.

EXTRA
Verkehrslärm:
Die Anwohner der 16 Häuser auf der gegenüberliegenden Seite der Olewiger Straße befürchten, dass die neue Betonwand den Verkehrslärm noch stärker reflektieren werde als die bisherige Sandsteinmauer mit Grünbewuchs und vielen Unebenheiten. Laut LBB wird der Lärm sich allerdings verringern: "Wir werden lärmabsorbierendes Material verwenden", sagt LBB-Projektleiter Steffgen. In den nächsten Wochen werden auf dem ersten fertiggestellen Mauerteil verschiedene Oberflächenmaterialien aufgebracht, um dann gemeinsam mit der Stadtverwaltung die beste Lösung zu finden.
Weil die neue Mauer im unteren Teil der Straße nicht senkrecht, sondern im 70-Grad-Winkel nach hinten geneigt errichtet wird, würde der Verkehrslärm zudem nicht mehr rechtwinklig, sondern nach schräg oben reflektiert. Dadurch werde die Lärmbelastung ebenfalls reduziert. woc Meinung: Schleunigst sanieren!

Da wird in der so wichtigen Verkehrsader Olewiger Straße also eine Baustelle eingerichtet - ohne dass genau feststeht, wie die Arbeiten überhaupt laufen sollen. Für den nach TV-Infos mittellosen Senior wird die Stadt wohl selbst die Mauersanierung übernehmen. Dass allerdings selbst nach monatelangen Gesprächen mit den Hospitien noch keine Lösung gefunden wurde, kann nicht sein. Fest steht schließlich, dass die Mauer so marode ist, dass ein Hangrutsch droht. Wollen die Hospitien sich partout nicht der LBB-Baustelle anschließen, dann müssen sie ihren Teil schleunigst selbst sanieren. Und zwar unbedingt so, dass die Straße nicht im nächsten Jahr noch einmal gesperrt werden muss.
<strong>c.wolff@volksfreund.de