Tummelplatz für Kuscheltiere

Tummelplatz für Kuscheltiere

TRIER. Der Liebe wegen ist sie nach Trier gezogen, der Literatur gehört ihre Leidenschaft – Christiane Müller. Die Frau mit der sehr ausgeprägten kreativen Ader hat geschauspielert, studiert, malt und schreibt. Mit ihrem Buch "Kartonstinker auf der Suche nach dem verlorenen Schatz" richtet sie sich nicht nur an die Kleinen, sondern will auch das Kind im Erwachsenen wiederbeleben.

Ihre Stofftiersammlung wächst stetig. Seit Jahren hat die junge Frau mit dem Lockenkopf ihr Herz an Käfer, Bären und sonstige Kuschelkumpanen verloren. Die Sammelleidenschaft bringt jedoch früher oder später ein Platzproblem mit sich: "Momentan herrscht bei uns Einreisestopp für Kuscheltiere", schmunzelt sie. Es fällt Christiane Müller sichtlich schwer, den plüschigen Gesellen kein Obdach zu gewähren, aber schließlich soll ja auch für Sohn Maximilian noch Platz in der farbenfrohen Wohnung sein.Ernüchternde Suche nach einem Buchverlag

Der Zwölfjährige ist nicht ganz unschuldig daran, dass seine Mama unter die Autorinnen gegangen ist. Das Spielen mit ihrem Sprössling und die dabei entstandenen Geschichten haben die Jura-Studentin ("Mir fehlen noch anderthalb Scheine") derart inspiriert, dass die Buchidee entstand. "Wir sind in unserer Phantasiewelt bis ins Universum geflogen, und all diese tollen Ideen wollte ich eben festhalten", erzählt sie und strahlt. Erzählen ist ihre Passion, immer wieder verfällt sie während des Interviews ihren Geschichten und berichtet von Kuscheltieren, die sich als direkter Regalkauf denen überlegen fühlen, die über Umwege wie Internet-Auktionshäuser in die Hände von Kindern gelangen - so sieht es zumindest Oskar, die Hauptfigur ihres Buches und seines Zeichens lebensgroßer Kuschelbär mit Ringelshirt (ein Relikt aus dem Kleiderschrank ihrer Sohnes) und großer Klappe. Er war auch derjenige, der den "Kartonstinker" mit aus der Taufe gehoben hat. Während ihrer Arbeit in einer Lebensmitteldiscounterfiliale kroch Christiane Müller durch die Regale, die Nase mitten in Kartonbergen. Ihre Geschichte hatte sie bereits geschrieben, und immer wieder spukte der freche Bär in ihrer Gedankenwelt umher: "Oskar würde nun sagen: Ja, ja du bist zum Kartonstinker geworden". Außerdem erinnert der Begriff an so manche "olfaktorisch" äußerst unerfreuliche erste Begegnung, die sie mit ersteigerten Stofftieren gemacht hat. "Eines war übersät mit Katzenhaaren und sah wirklich aus wie die beschriebenen hundert Jahre - in Wirklichkeit waren es vielleicht dreißig". Nach einer Spontaneinlieferung beim Puppendoktor durfte das frisch gereinigte Wesen dann doch bei Christiane Müller einziehen. Ihr Buch beschreibt sie als "Kinderroman, der aber auch für Erwachsene sehr geeignet ist". Diese können lernen, wieder einen unverstellten Blick auf die Welt zu bekommen, so sensibel zu sein wie Kinder, die eine noch viel offenere Wahrnehmung haben. Das Entdecken dieses verlorenen Schatzes muss auch der mit einer Stofftier-Phobie belegte Vater im Buch lernen. Anderthalb Jahre hat die gebürtige Solingerin an dem Buch geschrieben und gemalt. Gedanklich sitzt sie an einer Fortsetzung: "Ich bin sehr gespannt, welche Abenteuer Oskar in Trier erleben wird." Auch der ernüchternde Marathon auf der Suche nach einem Verlag hat ihre Schreibwut geweckt: "In Deutschland hast du nur eine Chance, wenn du einen Fürsprecher hast, der dich in den Verlag reinbringt. Ich hab unzählige Male ungelesene Manuskripte zurückbekommen - darüber werde ich auch etwas schreiben", zeigt sie sich kampfeslustig. Bis es sowie ist, erfreut sie Kindergärten und Schulen mit ihrem Buch. Die Kleinen erwartet keine reine Vorlesestunde ("Ich finde nichts langweiliger als Lesungen"), sondern ein Potpourri aus Rollenspiel (sie gibt Oskar mit süßem Sprachfehler) und Gesangseinlagen (sie hat Klassiker wie zum Beispiel "Kleine Taschenlampe brennt" passend zum Buchinhalt umgetextet). Infos unter: www.kartonstinker.de

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