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Tumult um einen ausgefransten Bussard

Tumult um einen ausgefransten Bussard

Gleich zweimal platzte das Bürgerhaus Schleidweiler aus allen Nähten, denn die ortsansässige Theatergruppe hatte wieder zu einem köstlichen Theatervergnügen geladen. Beim "Papagei mit Folgen", einem Stück um eine bizarre Gerichtsverhandlung, gab es Gelächter satt.

Zemmer-Schleidweiler. (ae) Dass es in Schleidweiler kein Amtsgericht mehr gibt, ist vielleicht ganz gut so. Denn in dem idyllischen Fidei-Ort lauern so mancherlei Verführungen, die das Urteilsvermögen hoher Herren vom Gericht ziemlich trüben können. Zum Beispiel die Gaststube von Lissy, in der Richter Grosch (Pastor Bernd Seibel), Staatsanwalt Silberberg (Wolfgang Peters) und Verteidiger Lemmle (Stefan Müller) alljährlich Sherlock Holmes' Ermittlungserfolge begießen. Gerade zehren sie mit Müdigkeit, Kopfschmerzen und lädiertem Auge noch an den Folgen eines solchen Umtrunks, da müssen sie auch schon einen kniffeligen Fall verhandeln. Der Papagei von Nora Sturm (Karla Arens) soll obszöne Lieder gesungen und damit die Gefühle von Nachbarin Resi Wulf (Monika Cordie) verletzt haben. Der Gerichtsdiener Graulich (Harry Reuter) missversteht Richter Groschs Anweisungen, die Zeuginnen Wulf und Henrike Baumeister (Sonja Peil) kriegen sich in die Haare, Staatsanwalt Silberberg ist mehr am Frikadellenrezept als an der möglichen Schuld der Angeklagten interessiert. Außerdem ist die Identität des Vogels ungeklärt. Ist er ein zerfranster Bussard, Geier oder Sittich? Das turbulente Spektakel in Fideier Platt lässt kein Auge trocken, denn die Theatergruppe Schleidweiler hat in ihre Inszenierung nicht nur Typisches und Deftiges aus dem ländlichen Alltag eingebaut, sondern auch die einzelnen Rollen kompetent besetzt. So nimmt sich Pastor Seibel in der Rolle des Richters selbst auf die Schippe, indem er aus der Bibel vorliest, statt den Eid darauf leisten zu lassen. Karla Arens spielt die Rolle der renitenten Angeklagten und lässt jeden Mann im Saal bei ihren Worten: "Klar ist der Papagei männlich, weil er alles macht, was ich will", zusammenzucken. Weil selbst komplizierte Konstrukte wie "burleske Schädelverkleidung" (Barett) oder "pompöses (poröses) Trommelfell" nur so sprudeln, hat Monika Tögel als Souffleuse nichts zu tun, und kann sich ganz ihrer Rolle als Protokollführerin widmen. Nach der Schluss-Pointe, die zeigt, dass die hohe Gerichtsbarkeit dem Vogel einiges voraus hat, gibt es Riesenbeifall auch für die, die hinter und für die Kulissen gewirkt haben: Lisa Cordie (Dekoration), Jutta Reuter (Maske), Hermann Arens und Jürgen Tögel (Bühnenbild). Und es wird gerne der umgehende Klingelbeutel gefüllt, denn der Erlös aus Stück und Bewirtung durch den Frauenclub ist für die Renovierung der Pfarrkirche bestimmt.