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Tur-sich-was-Tour zu Baustellen in Trier

Stadtentwicklung : Auf Tour in unbekannten Ecken Triers

Selbst eingefleischte Trierer kennen nicht jeden Winkel der Stadt. In vier Bussen hat die Verwaltung 180 Menschen gezeigt, welche Vorhaben gerade umgesetzt werden oder noch anstehen. Was aus ihrer Sicht gut läuft – und was eher schiefgelaufen ist.

Wochenlang schönster Sonnenschein und nun das: Es regnet. Bei so einem Wetter hat wohl niemand Lust, mit dem Bus durch Trier kutschiert zu werden, um anschließend über Baustellen und durch Pfützen zu trotten. Von wegen! 180 Bürger in vier Bussen nutzen die Gelegenheit, um an der Tut-sich-was-Tour teilzunehmen, die die Stadt anbietet und die an die rollenden Bürgerversammlungen anknüpft, die es in den 1990er Jahren gegeben hat. Und alle sind am Ende zufrieden.

Doch zurück zum Anfang. Drei Stationen sind es an diesem Regentag, die angesteuert werden. Und wenn man fragt, warum die Bürger mit auf Tour gehen, dann heißt es immer wieder „Weil ich neugierig bin“ oder „Weil ich da in Ecken komme, wo ich sonst nie bin.“ Einer dieser Sonst-nie-bin-Ecken ist der Gneisenaubering. Das ehemalige Kasernengelände wird seit den 1930er Jahren für Wohnzwecke genutzt. Teilweise befinden sich die Gebäude in einem bedenklichen Zustand. Es besteht Handlungsbedarf, wie es so schön Neudeutsch heißt. Hans-Werner Meyer, Leiter des städtischen Amts für Soziales und Wohnen, berichtet gleich an mehreren Stellen, was sich alles ändern wird. An der einen Stelle wird abgerissen, an der anderen wird eine neue Schule gebaut, an einer dritten wird saniert. Und zwar für viel Geld. So werden in die Sanierung des Gebäudes Gneisenaustraße 33 bis 37 rund 6,8 Millionen Euro gesteckt. Am Ende wird es dort 28 Wohnungen mit günstigen Mieten geben. Da schaut der eine oder andere Interessierte ein wenig ungläubig. Doch Baudezernent Andreas Ludwig macht deutlich, dass es beim sogenannten Stadtumbau West darum geht, Raum für Menschen auch mit geringerem Einkommen zu schaffen.

Rund 220 Millionen Euro sollen im Bereich zwischen Jugendwerk Don Bosco und der Mosel investiert werden. Was da alles geplant wird, erklärt Rita Märzhäuser vom Stadtplanungsamt. Und so nebenher erfährt der aufmerksame Hörer, dass die Luxemburger Straße im Frühjahr 2019 in Ordnung gebracht werden soll, dass zeitnah das als Informationsbüro genutzte Gebäude am Römerbrückenkopf abgerissen wird. Und dass der Bau eines neuen Verkehrskreisels in der Nähe schon längst angelaufen wäre, wenn der Stadt ein noch fehlender Förderbescheid vorliegen würde.

Und die Vorbereitungsarbeiten für den Bau einer neuen Straße durch Trier-West laufen ebenso. Nach deren Fertigstellung soll sich der Verkehr gleichmäßig auf Hornstraße, Luxemburger Straße und die neue Strecke verteilen, sagt Märzhäuser. Was da genau gemacht wird, sehen die Tourteilnehmer auf dem Weg zur folgenden Station: Im Regen werden neue Oberleitungen an der Bahnstrecke unweit des Benedikt-Labre-Hauses montiert.

Auch in Trier-Nord regnet es. Und auch in diesem Teil der Stadt wird geschafft. Dort stehen auf dem früher von den Franzosen genutzten Gelände Castel-Feuvrier gleich sieben Baukräne. Der Samstag ist dort offensichtlich ein normaler Arbeitstag. Ein Hotel mit mehr als 100 Betten sowie sogenannte Stadtvillen werden derzeit gebaut. Und auch die Stadt lässt baggern. Projektleiter Alexander Hammel vom städtischen Tiefbauamt berichtet davon, was es mit der Umgestaltung des Moselufers auf sich hat. Es soll erlebbarer werden. Unter anderem dadurch, dass Stege gebaut werden und die Mosel mehr Platz bekommt.

Was aus dem Moselufer alles werden kann, gibt es in Zurlauben zu sehen. Doch es geht an diesem Tag nicht nur darum, die städtischen Erfolge zu präsentieren. Denn der Baudezernent muss beispielsweise auch zu einem Bauprojekt Stellung nehmen, das offensichtlich einigen Bürger gar nicht passt und das aus der Zeit vor seinem Amtsantritt vor rund vier Jahren stammt: Nach Jahren des Zerfalls hat unweit der Kaiser-Wilhelm-Brücke ein Investor ein Haus errichtet, das besonders aufgrund der großen Fensterfront ins Auge fällt. „Ich bin damit auch nicht froh“, sagt der Baudezernent. Da sei einiges schiefgelaufen.

Und zum Moselaufstieg stellt er fest, dass dieser Durchgangsverkehr aus der Stadt hole. Statt 44 000 würden dann nur noch 40 000 Fahrzeuge täglich das Nadelöhr am Martinskloster passieren. Die neue Straße zwischen A 64 und Konz sei wie eine Stadtumgehung. Wohl erst einmal nichts werde aus dem Moselbahndurchbruch zwischen Schönbornstraße und Wasserweg. Und bei den Bauarbeiten an der IGS auf dem Wolfsberg gebe es Verzögerungen.

Felix Burg aus Trier-Euren ist einer der Zuhörer. „Ich war damals schon bei den rollenden Bürgerversammlungen mit dabei“, sagt er. Er habe sich vorher gar nicht vorstellen können, wie groß das Gebiet in Trier-West ist, das nun verändert werden soll. Und was ihn im neuen Gewerbegebiet im Norden von Kürenz erwartet, kann er überhaupt noch nicht sagen. Es sind eine große Baustelle sowie SWT-Architekt Christian Reinert und Projektbeauftragter Eric Krischel von der Stadtverwaltung. Die Stadtwerke verwandeln dort 43 Hektar eingekeilt zwischen Bahnstrecke und Grüneberg in ein Gewebegebiet. Ein innovatives Vorhaben, wie Architekt Reinert erklärt. Unter anderem soll es Dank Wärme und Energie vom benachbarten städtischen Klärwerk energieautark sein. Im Energie- und Technikpark werden die technischen Abteilungen der Stadtwerke heimisch. Die Stadt konzentriert dort Grünflächenamt, Tiefbauamt und Stadtreinigungsamt. 400 Menschen werden dort arbeiten. Unter anderem in Büros, die aus Holz gebaut und in eine vorhandene Halle eingebaut werden. Genau an die Stelle, wo die 180 Neugierigen im Trockenen und bei einem Getränk sitzen und sich wohl nicht alle vorstellen können, wie das funktionieren soll.

Ob die Tut-sich-was-Tour funktioniert hat, ist für Hans-Werner Knopp aus Trier-Ehrang keine Frage: „Das sollte unbedingt wiederholt werden.“ Es sei der richtige Weg, die Bürger zu informieren, sagt der Kommunalpolitiker. Auch Baudezernent Andreas Ludwig kann sich eine Wiederholung vorstellen, bei der er und seine Amtschefs als Reiseleiter fungieren. „Es gibt sicher noch viele Stationen, die man anfahren kann. Beispielsweise die Baustelle für die neue Halle am Mäushecker­weg.“ Oder vielleicht das geplante Baugebiet in der Nähe des Brubacher Hofs. Oder, oder, oder. Und mit dem Wetter soll es dann auch besser klappen. „Wir wollten unbedingt noch in diesem Jahr fahren, sagt er. Da müsse man eben auch Regen in Kauf nehmen.