Turbulente Zeiten

Nervöse Märkte verzeichnete das Trierer Parkett im Jahr vor der Neubewertung des politischen Anlagevermögens durch die Börsen-Aufsicht im Juni 2009. Verschärfter Konkurrenzkampf, härtere Bandagen, teilrenoviertes Führungspersonal, aber auch etliche Altlasten: So geht es ins neue Börsenjahr.

Trier. Nach fast hundert Jahren kam das Aus für den Hindenburg-Bildungsfonds. Einst als staatliche Kriegsanleihe gegründet, nahm er einen wechselhaften Verlauf. Vor dem Krieg hoch gehandelt, musste er in den 50ern leichte Wertverluste in Kauf nehmen, überlebte aber dank vieler treuer Anleger. Um 1968 herum geriet er in Turbulenzen, blieb aber als unauffällige Traditions-Marke erhalten. Warum er gerade jetzt aus dem Handel genommen wurde, wissen selbst Börsen-Insider nicht. Angeblich soll er sich am französischen Markt schlecht verkauft haben.

Der alteingesessene Handarbeits-und-Werkzeug-Konzern (HWK) konnte nur durch eine radikale Notbremsung den Bankrott vermeiden. Dabei ging Firmen-Patriarch Hans-Hermann Kocks ungeachtet früherer Erfolge unsanft über Bord. Als neuen Allgewaltigen holte man ausgerechnet den Boss der Koblenzer Schwester-Firma, die seit langem eine von der Mainzer Kartellbehörde favorisierte feindliche Übernahme des äußerst solventen Trierer Betriebes anstrebt.

Gleich in zwei zentralen Teilbereichen seiner "Bildung und Kultur für Trier"-AG musste Geschäftsführer Ulrich Holkenbrink Konkurs anmelden. Im Schul-Sektor kam das lange angekündigte Sanierungskonzept nicht "in-time" zustande, beim Segment der Antikenfestspiele erwies sich die neu aufgelegte Produktpalette als derart schwächlich, dass sie schon beim ersten medialen Gegenwind vom Markt genommen werden musste. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre fordert immer lauter personelle Konsequenzen.

Eine zu hohe Nachfrage wurde der auf die Herstellung genormter Bachelors und Masters spezialisierten Lernfabrik "Uni Trier Inc." zum Verhängnis. Die industrielle Fertigung von Absolventen geriet schon im ersten Prozess-Abschnitt außer Kontrolle, zeitweilig stockten gar die Fließbänder. Produktions-Chef Peter Schwenkmezger konnte durch die Einleitung akuter Notmaßnahmen in seiner unübersichtlichen Betriebsstätte zwar einen Produktionsstopp abwenden, handelte sich aber eine leidige öffentliche Debatte um die Verlagerung seiner Fabrikanlagen in die Pampa ein.

Das Kicker-Konsortium Eintracht 05 folgte bereits kurz nach der Platzierung am neuen Regional-Markt dem Rat von Tribünen-Analysten und schickte seinen Personalchef in die Wüste. Stattdessen holte man die Mario-Basler-Ich-AG als neuen Trainings-Dienstleister, ein bislang eher in Markt-Nischen profilierter Anbieter, bekannt für unkonventionelle Methoden. Seither hat sich das Unternehmen auf mäßigem Niveau stabilisiert.

Letzteres wollen die Akteure am Trierer Polit-Markt im kommenden Jahr vermeiden. Dabei setzt Marktführer CDU auf konservative Werte mit dem für Solidität, aber nicht unbedingt für ein Kursfeuerwerk garantierenden Chairman Bertrand Adams. Mit seinen Erfahrungen in der Lebensmittelbranche soll er der Konkurrenz die Wurst vom Brot holen. Auf steigende Anteile spekuliert der vom einstigen Branchenriesen zeitweilig zum Pennystock geschrumpfte Herausforderer SPD. Weil dessen Frontfrau in der Konzern-Zentrale derzeit unabkömmlich ist, hat sie kurzerhand den begabten Börsen-Azubi Sven Teuber zum Juniorchef und Statthalter an der Mosel berufen.

Nachdem der kommunale Aufsichtsrat der "Philharmonischen Musikalienhandlung Trier" den bei der Kundschaft hoch geschätzten, bei der Belegschaft aber ungeliebten Generalbevollmächtigten entlassen hatte, warteten die potenziellen Investoren mit Spannung auf den neuen Ton-Angeber bei dem sensiblen Mittelständler. Mit Victor Puhl konnte ein krisengestählter Profi mit breiter Markt-Erfahrung und guten Verbindungen gewonnen werden. Neuerungen im Angebots-Portfolio und eine Charme-Offensive brachten Ruhe in den Betrieb - jedenfalls fürs erste.

Die BGB-Gesellschaft Leiendecker Local Entertainement, einst ein Ein-Mann-Betrieb, hat neben dem Quasi-Monopol am Mundart-Umschlagplatz weitere Marktanteile hinzu erobert. In der Börsen-Saison 2008 gelang der Durchbruch im Karl-Marx-Devotionalienhandel und gegen Ende auch der Wechsel ins Charakterfach als Method-Actor am Theater Trier.

Mehr Arbeitsplätze, mehr Umsatz, bessere Geschäfte, größere Kapazitäten: Was in Zeiten wie diesen nach Grimms Märchen klingt, ist die Bilanz des unangefochtenen Bullen an der Trierer Wirtschaftsbörse. Die Anlagenbauer der Natus GmbH und Co. KG heimsten nicht nur ein gutes wirtschaftliches Ergebnis ein, sondern verdientermaßen auch den renommiertesten Wirtschaftspreis der Region. Und sollte es jemals einen Klartext-Preis geben, ist Inhaber Wolfgang Natus auch da der erste Kandidat.

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