TV-Adventskalender - Meine Hilfe zählt

Trier · Im TV-Adventskalender stellen wir an jedem Tag ein Projekt von „Meine Hilfe zählt!“ vor und bitten um Spenden für diese oder eine andere Aktion. Heute: Humanitäre Hilfe für Minderheiten in Prijedor, Bosnien-Herzegowina

Mitten in Europa gibt es immer noch Opfer des fast vergessenen Jugoslawienkrieges, die weder als Bürger gleiche Rechte noch gleichberechtigten Zugang zu Arbeit, Krankenversorgung oder Rente haben. Insbesondere in der Serbischen Republik von Bosnien-Herzegowina ist die Lage der Minderheiten erbärmlich. Davon hat sich Katrin Bornmüller von der Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Wittlich, bei einem Besuch in Prijedor überzeugt. In Begleitung von Mirveta Mrkalj-Durben, die nur durch eine glückliche Fügung 1992 ihrer Erschießung entgangen war und heute deutsche Staatsbürgerin ist, besuchten sie Mirsad Duratovic, der als 17jähriger die Erschießung seiner Familie ansehen musste und brutalste Folter in drei serbischen Konzentrationslagern überlebte.

Er leitet heute den Verein "Prijedor 92", Ziel von Hilfsgütertransporten aus Wittlich. "Die Hilfsgüter sind eine große Unterstützung für die Menschen in Not. Jeden Tag kommen Leute und bitten um Hilfe. Das sind meistens die bosniakischen und kroatischen Rückkehrer, ehemalige Gefangene der serbischen Konzentrationslager und zivile Opfer des Krieges, die arbeitslos und ohne jegliche Unterstützung durch die Stadt bleiben", schreibt Mirsad Duratovic in einem Brief an die IGFM.

Der Verein beschreibt die Situation mit drastischen Worten: "Vor dem Jugoslawienkrieg waren die Serben in der Minderheit. Durch Massenmorde und Vertreibung haben sie heute die Mehrheit. Immer noch suchen die Überlebenden nach über 600 Leichnamen von Angehörigen, Nachbarn und Freunden, die die Serben in Massengräber geworfen hatten und, um die spätere Identifizierung zu erschweren, durch Sprengung unkenntlich zu machen versuchten. Die Kriegsverbrecher von gestern haben derweil das Sagen und setzten das Versammlungsrecht für Nicht-Serben außer Kraft.

Das ehemalige Konzentrationslager Omarska wurde an den britischen Investor Arcelor verpachtet, der nur serbische Arbeiter beschäftigt und nur ihre Kinder fördert. Die gebliebenen Bosnier sind arm, nur ein Prozent von ihnen hat Arbeit. Während die russischen, griechischen und andere Söldner Kriegsrente erhalten, bekommen die Opfer nichts. Selbst das Wort Opfer für die Ermordeten ist verboten, sie dürfen offiziell nur "Vermisste" genannt werden. Es gibt keine Gedenktafel für die bosnischen Opfer, wohl aber für die serbischen Soldaten. Ehemalige Mitglieder der serbischen Armee und ihre Familien genießen Privilegien, sind von einigen Steuern befreit, wohnen mietfrei, die zivilen Opfer bleiben Opfer mit minderen Rechten."

Die Menschenrechtsgesellschaft in Wittlich bittet um Spenden, um Hilfsgüter nach Prijedor bringen zu können. Mirsad Duratovic und der katholische Pfarrer Ilija Pilic verteilen sie. Gebraucht wird alles, was sauber und heil ist. Jetzt sind Winterkleidung und Pflegeartikel gefragt und Geld, um das zu kaufen, was die Menschen als Nötigstes brauchen.

Mehr Infos gibt es unter der Projektnummer 35747