Glaube im Alltag : Neustart?!

Seit einer Woche geht es um die Vorbreitung des Einschulungsgottesdienstes. Wie immer eigentlich. Aber dieses Jahr nicht, weil Corona ist. Keine echte Handauflegung zum Segen.

Singen – auch nicht einfach so.

Das trübt die Vorfreude. Dafür kam unlängst ein Kollege freudig mit: „Für unser Kind in der weiterführenden Schule gibt es jetzt doch etwas zur Begrüßung. Aber das wird anders als sonst.“ Richtig, denke ich, der Neustart nach den Schulferien wird dieses Jahr anders. Irgendwie mit angezogener Handbremse, bangem Blick auf die Infektionszahlen, Ungewissheit. Neustart kannte ich bisher anders.

Neustart – da springe ich mit Anlauf ins Leben, getrieben von Abenteuerlust und Entdeckerfreude. Da wird alles auf Start gestellt, die Schultüte mit Gutem, der Rucksack nur mit dem Notwendigsten gefüllt, damit viel Neues reinpasst und ab geht’s. Diese Unbekümmertheit fehlt. Die Freude, mit der ich Neues ausprobieren, anfassen darf.

Es liegt ein Schatten darüber, fast wie die Dementoren bei Harry Potter, die das Leben aussaugen wollen. Bei allem Nachdenken über die gehörten Sorgen, schleicht sich die Frage in meinen Kopf: „Wie sollen wir denn so verhalten das Leben erkunden?“ Plötzlich kommt mir Josua in den Sinn. Als sein Anführer Moses tot ist, alles Leben auf wackeligen Beinen steht, gibt Gott Josua den Auftrag, mit dem Volk in ein neues Land zu gehen. Total ungewisse Zukunft.

Aber genau da sagt Gott „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem.“ Getrost und unverzagt. Das will ich der bangen Vorsicht mit an die Hand geben – für den Neustart. Ich glaube, so wird es viel leichter.

Pfarrerin Vanessa Kluge, Ehrang, vanessa.kluge@ekkt.net