TV-Serie: Norbert Probst schätzt die Gemeinschaft unter den Kleingärtnern in Triers Norden

Gärtner der ersten Stunde: Norbert Probst ist Gründungsmitglied des Kleingärtnervereins Trier-Nord Petrisberg. Der 79-Jährige schätzt sein selbst angebautes Gemüse und die Ruhe in seinem kleinen Paradies. Sein Motto: erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Schon mein Vater war begeisterter Hobbygärtner, und so wurde mir die Arbeit im Grünen in die Wiege gelegt. Nachdem die Kleingartenanlage in Trier-Nord wegen der Errichtung des Supermarktes Ratio geschlossen wurde, bot die Stadt unser heutiges Gelände als Ersatz an. Ich kaufte eine Parzelle. Die ersten Monate verbrachte ich damit, das meterhohe Unkraut Quadratmeter für Quadratmeter zu entfernen. Grund dafür war, dass die Stadt Klärschlamm verteilte, um den Boden fruchtbarer zu machen - das wirkte.

Damals wie heute war das Interesse an Kleingärten groß. Ich erinnere mich, dass jeden Tag Leute hinzukamen. Das Vereinshaus ist das Zentrum unserer Anlage. Acht Paare bedienen abwechselnd die Mitglieder, die sich bei einem kühlen Getränk die Formel-1-Rennen oder die Fußball-Weltmeisterschaft anschauen. Entlohnt werden die ehrenamtlichen Helfer mit den jährlichen Vereinsfahrten, an denen sie kostenlos teilnehmen dürfen. So besuchen wir die Landes- und Bundesgartenschauen, um uns von anderen Gärten inspirieren zu lassen. Ein Highlight sind unsere Gartenfeste. In guter Erinnerung habe ich das erste Fest: Wir stellten auf den Parkplatz ein paar Stühle und besorgten ein paar Kisten Getränke. Die Stimmung war herrlich. Ein anderes Jahr regnete es, und wir zogen in den Keller unter dem Vereinshaus um - auch hier wurde das Zusammensein ein Erfolg.

Einige Jahre hatten wir Probleme mit Rehen, die sich genüsslich an unserem Gemüse bedienten. Wir erhöhten unseren Zaun und haben seither Ruhe. Sorge bereiten uns Wildschweine, die außerhalb der Anlage schon einige Wiesen umgegraben haben. Zum Glück sind sie noch nicht in unsere Gärten gelangt.

Ich schätze besonders die Ruhe. Der Verkehrslärm dringt nicht zu uns durch. Diesen Vorteil hätte ich nicht, wenn ich bei meinem Haus in der Stadt einen Garten hätte. Da nehme ich die Fahrt zu meinem kleinen Paradies gerne in Kauf. Mir ist die Gemeinschaft unseres Vereins ans Herz gewachsen. Ich lerne immer wieder Menschen kennen, die zu Freunden werden. Alle möglichen Handwerksberufe sind unter den Mitgliedern zu finden. So werden Reparaturen durch gegenseitige Hilfe schnell erledigt.

In den letzten Jahren ist es auch bei jungen Paaren mit Kindern Trend geworden, sich einen Kleingarten anzuschaffen. Uns freut diese neue Verbundenheit mit der Natur sehr, da sich die jüngere Generation in der Vorstandsarbeit engagiert. Die Statistik zeigt zudem, dass immer noch mehr Männer als Frauen bei uns einen Garten besitzen. Doch meistens ist der Mann nur der Chef auf dem Papier - die Gestaltung übernehmen die Frauen.

Ich baue in meinem Garten selbst Gemüse an. Ohne chemische Dünger und Pestizide schmecken die Früchte ganz anders - viel intensiver. Ich profitiere sehr von der Bewegung an der frischen Luft. Doch nach getaner Arbeit genieße ich meinen Garten auch im Liegestuhl.
Aufgezeichnet von Manuel Beh

In unserer TV-Serie "Mein Verein" lassen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu Wort kommen. Jeden Mittwoch stellen wir einen Verein aus der Perspektive eines Mitgliedes vor. Dazu gibt es die wichtigsten Daten in Kurzform. Sie wollen Ihren Verein vorstellen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an trier@volksfreund.deExtra

Der Kleingärtnerverein Trier-Nord Petrisberg wurde 1965 gegründet. Zurzeit verteilen sich 85 Mitglieder auf 79 Kleingärten. Jeder der Gärten hat eine Größe von 350 bis 400 Quadratmetern, was ungefähr der Fläche eines Basketballfeldes entspricht. Neben der Pflege der eigenen Parzelle kümmern sich die Mitglieder zweimal im Jahr um die Außenanlage. Dabei stehen den Mitgliedern elektrische Gartengeräte wie Rasenmäher zur Verfügung. beh