Über den Dächern von Trier

Nirgendwo ist der Blick auf Trier so schön wie vom Kreuzweg, der hinauf zum Petrisberg führt, sagt der bekannte Trierer Kneipenwirt Norbert Freischmidt. Für die TV-Serie "Mein Zuhause" erzählt der 39-Jährige, der seit 15 Jahren das "Cubiculum" führt, warum er seine Heimatstadt so liebenswert findet.

Trier ist für mich eine Stadt, die einen Bogen schlägt von der Antike zur heutigen Zeit. Sie ist aus allen Epochen gewachsen. Einen besonders guten Ausblick auf Trier hat man vom Kreuzweg aus, der sich von Trier-Ost über viele Treppenstufen hinauf zum Petrisberg windet. Ich mag diesen Weg, denn er ist nicht so überlaufen. Man könnte fast sagen, er führt ein Schattendasein über all den Sehenswürdigkeiten. So bekannt ist er der breiten Masse nicht. Dort kommt man an dem Denkmal für die ermordete japanische Studentin Mutsuko Ayano vorbei. Das finde ich jedes Mal sehr bewegend. Oft sehe ich dort noch Blumen oder Kränze, die niedergelegt wurden.

Besonders beeindruckend finde ich den Ausblick, den man vom Kreuzweg aus über die Stadt hat. Man sieht nahezu alle Kirchen: St. Paulin, St. Gangolf, die Porta Nigra - die auch einmal eine Kirche war, sogar Herz-Jesu kann man von hier oben erkennen. Auch das Landesmuseum und das Polizeipräsidium zeigen sich aus einem anderen Blickwinkel. Und man sollte gar nicht glauben, wie viel Platz die Bahnlinien im Stadtbild einnehmen!

Wenn ich hier oben bin, dann betrachte ich mir die Stadt oft ganz genau: Trier ist irgendwie doch eine kleine Großstadt und ständig in Bewegung. Ich entdecke immer wieder Neues - und sei es nur, wie sich eine Baustelle nach und nach weiterentwickelt.

In dieser Stadt, die ich vom Kreuzweg aus betrachte, fühle ich mich schlichtweg zu Hause. Immerhin bin ich hier aufgewachsen. Es ist toll: Man kann abends weggehen, ohne sich zu verabreden. Egal, wo man hingeht, man trifft immer einen Bekannten. In einer Großstadt würde das nicht gehen. In dieser Hinsicht könnte man sagen, dass Trier ein liebenswertes Dorf ist. Ich meine Dorf aber nicht in dem Sinne, dass nichts los wäre - es ist immer so viel los, wie man losmacht.

Viele Studenten fahren am Wochenende nach Hause und bleiben nicht in Trier. Das kann ich nicht verstehen. Die Stadt hat so viel zu bieten: die Arena, das Exhaus, den erstklassigen Sport - um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und dann sind da ja auch noch die vielen Veranstaltungen im Sommer.

Ich bin selbst ein Fan des Olewiger Weinfests. Es ist weitläufiger als beispielsweise das Zurlaubener Weinfest. Ich mag es nicht so sehr, durch die Massen geschoben zu werden.

Aber bei aller Liebe zu Trier, reise ich auch viel. Bis nach Südamerika und nach Afrika hat es mich schon verschlagen. Trotzdem komme ich immer wieder gerne zurück nach Hause. Und dieses Zuhause ist Trier.

Aufgezeichnet von Annegret Schmitt